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Luftaufnahme Oberes Schloss Greiz im Herbst

Thüringer Schlösser, Burgen, Gärten, Guts- und Herrenhäuser

Kulturelle Vielfalt: Schlösser, Burgen und Herrenhäuser Thüringens

Als „Land der Residenzen“ verfügt Thüringen über eine besonders große Dichte an fürstlichen Repräsentationsbauten und Parkanlagen in Deutschland. Hauptdynastien waren die Ernestiner, die Schwarzburger und die Fürsten von Reuß, dazu kamen exterritorial regierte Gebiete des Kurfürstentums Mainz sowie der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Erbteilungen haben vor allem seit der Reformation zu einer Kleinteiligkeit geführt – und zu einem reichen kulturellen Erbe, das bis heute sicht- und erlebbar ist: Zusätzlich zu den Hauptresidenzen entstanden zahlreiche Nebengebäude wie Orangerien, Marställe, Sommerpalais und Jagdschlösser, hinzu kamen Gebäude für Theater und Orchester. Dem fürstlichen Repräsentationsbedürfnis verdanken wir außerdem herausragende Kunst- und Naturaliensammlungen, Bibliotheken und Archive, die als Gedächtnisspeicher Leben und Ereignisse an den Höfen dokumentieren. Thüringen ist sich dieses besonderen kulturellen Erbes bewusst. Der Freistaat und viele Träger wie Kommunen, Stiftungen und Vereine sowie Privatpersonen engagieren sich gemeinsam für die Pflege, Bewahrung und Vermittlung der Thüringer Residenzkultur. Dank der Unterstützung des Bundes soll in den kommenden Jahren ein Sonderinvestitionsprogramm die Sanierung ausgewählter Liegenschaften voranbringen.

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Thüringer Residenzkultur

Sommerpalais und Fürstlicher Greizer Park

Sommerpalais und Fürstlicher Greizer Park

Schloss Schwarzburg

Schloss Schwarzburg

Schloss Bertholdsburg Schleusingen

Schloss Bertholdsburg Schleusingen

Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden

Schloss Wilhelmsburg Schmalkalden

Dornburger Schlösser und Gärten

Dornburger Schlösser und Gärten

Veste Heldburg

Veste Heldburg

Schloss Heidecksburg Rudolstadt

Schloss Heidecksburg Rudolstadt

Schloss Kochberg

Schloss Kochberg

Potential zum Weltkulturerbe?

Thüringen. Land der Residenzen

Ständestaat und Monarchie haben in Thüringen ein vielschichtiges, differenziertes und an Realien reiches Erbe hinterlassen. Hier sind die aus fürstlichen Sammlungen hervorgegangenen Stücke des Weltdokumentenerbes „Schriften der frühen Reformation“ ebenso zu nennen wie Kunstsammlungen oder das für die deutsche Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit bedeutsame Ernestinische Gesamtarchiv. Die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar und die Forschungsbibliothek Gotha, die drei bedeutendsten Bibliotheken des Freistaats, jeweils mit internationalem Anspruch, gehen auf fürstliche Hofbibliotheken zurück.

Das bauliche Erbe der Thüringer Residenzkultur prägt weithin sichtbar die Kulturlandschaft. In seiner Dichte ist es Zeugnis adliger Baukultur und ihrer Nachnutzung in demokratischen und diktatorischen Kontexten. Der Freistaat Thüringen prüft daher die Nominierung der Thüringer Residenzkultur für die Vorschlagsliste, die sogenannte Tentativliste, zum UNESCO-Welterbe.

Mit der Wartburg in Eisenach und dem Weimarer Schloss gehören bereits zwei herausragende Bestandteile der Thüringer Residenzkultur zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Rahmen des touristischen Jahresschwerpunkts „Parks und Gärten“ werden auch die den Schlössern nicht selten zugehörigen Parkanlagen in das öffentliche Bewusstsein gehoben.

  • Der Weg zu einer erfolgreichen Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO ist lang. Ziel dieses Verfahrens ist es, die Qualität der Eintragungen auf der Liste zu sichern. Herausragendes Kriterium ist der außergewöhnliche universelle Wert der Stätte, die eingetragen werden soll.

    Die Situation heute. Welterbe in Thüringen

    In Thüringen gibt es mit den Bauhaus-Stätten in Weimar (Aufnahme 1996), dem Klassischen Weimar (1998) sowie der Wartburg (Aufnahme 1999) derzeit drei Stätten des UNESCO-Weltkulturerbes. Der Nationalpark Hainich ist seit 2011 Bestandteil des UNESCO-Weltnaturerbes Alte Buchenwälder. 2021 wird Thüringen den von der Stadt Erfurt vorbereiteten Antrag zum Jüdisch-mittelalterlichen Erbe als Bewerbung um ein weiteres Weltkulturerbe bei der UNESCO einreichen.

    Das Welterbeverfahren

    Mit dem Eintrag auf die UNESCO-Welterbeliste wird anerkannt, dass die entsprechenden Güter „Teile des Kultur- und Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen“ (Präambel Welterbekonvention 1972). Grundvoraussetzungen für die Aufnahme auf die Welterbeliste sind neben dem außergewöhnlich universellen Wert (outstanding universal value) die historische Echtheit (Authentizität) sowie die Unversehrtheit (Integrität) des Gutes. Die Bewerbung muss darüber hinaus mindestens eines von den insgesamt zehn in den „Richtlinien für die Durchführung des Übereinkommens zum Schutz  des Kultur- und Naturerbes“ festgelegten Kriterien erfüllen. In diesen vom UNESCO-Welterbezentrum herausgegebenen „Durchführungsrichtlinien“ sind neben den Kriterien Grundsätze für das Nominierungsverfahren auch Anforderungen an Schutz und Verwaltung von anerkannten Welterbestätten festgelegt.

    Die Auswahl von Welterbestätten gliedert sich in ein mehrstufiges Verfahren. Im ersten Schritt erfolgt auf nationaler Ebene die Bewerbung um die Aufnahme in die Tentativliste. Die Tentativliste ist eine Vorschlagsliste für zukünftige Nominierungen zur Aufnahme in das Register der UNESCO-Welterbestätten. Da in Deutschland die Kulturhoheit bei den Ländern angesiedelt ist, liegt das Vorschlagsrecht für die Tentativliste bei den für Denkmalschutz zuständigen Landesministerien. Die Länder tragen auch die finanziellen Verpflichtungen, die sich aus einer Nominierung ergeben. Mit einer Anerkennung als Kultur- oder Naturerbestätte ist keine finanzielle Zuwendung durch die UNESCO oder den Bund verbunden. Anträge werden von den Trägereinrichtungen eines potentiellen Welterbes vorbereitet. Die aus den Ländern kommenden Vorschläge werden dann durch die Kultur-Ministerkonferenz unter dem Dach der Kultusministerkonferenz (KMK) zusammengeführt. Die Tentativliste dient als Grundlage für die künftigen Anmeldungen für die Nominierung für die UNESCO-Welterbeliste. Deutsche Anträge werden vom zuständigen Landesministerium über die KMK dem Auswärtigen Amt zugeleitet, das die Übermittlung über die Ständige Vertretung Deutschlands bei der UNESCO an das UNESCO-Welterbezentrum in Paris vornimmt. Das Welterbezentrum prüft die Anträge auf förmliche Richtigkeit. Pro Jahr kann ein Mitgliedsstaat ein Gut nominieren.

    Repräsentativität, Ausgewogenheit, Glaubwürdigkeit. Prämissen für die Welterbeliste

    Deutschland gehört mit aktuell 46 Einträgen zu den auf der UNESCO-Welterbeliste sehr gut repräsentierten Staaten. Die Region Europa und Nordamerika zählt trotz ihrer geographisch geringen Größe zu den Regionen mit dem am Abstand meisten Welterbestätten (47%). Die UNESCO betrachtet die Kulturen der Welt als gleichrangig und bemüht sich um eine ausgewogene Liste. Dazu wurden in der fortlaufend aktualisierten Globalen Strategie wichtige Eckpunkte festgelegt. Demzufolge sollen Nominierungen aus Zeitepochen und Regionen Vorrang haben,  die bisher eher unterrepräsentiert sind. Stätten, die einem auf der Liste besonders häufig vertretenen Gut zugehörig sind (wie zum Beispiel historische Altstädte, Schlösser, Parkanlagen) sind herausgefordert, ihren Antrag besonders gut zu begründen. 

    Fortschreibung der deutschen Tentativliste

    Deutschland hat seine aktuelle Tentativliste fast abgearbeitet. 2024 wird der letzte Eintrag auf der deutschen Vorschlagsliste für ein UNESCO-Welterbe von Deutschland eingereicht werden. Die Gremien der KMK haben nun das Verfahren für die Fortschreibung der Tentativliste vorbereitet. Jedes Bundesland kann bis zu zwei Güter nominieren, Abgabetermin für die Bewerbungen der Tentativliste ist der 31.10.2021. Nach der Begutachtung durch ein Fachgremium wird Ende 2024 der Beschluss über die Aufnahme auf die Tentativliste gefällt. 2025 kann Deutschland dann den ersten Eintrag der aktualisierten Tentativliste einreichen.

    Thüringer Beitrag zur Tentativliste

    Thüringen und die Fortschreibung der deutschen Tentativliste

    Der Freistaat prüft derzeit eine mögliche Nominierung der Thüringer Residenzkultur als Weltkulturerbe. Damit wird eine Anregung des Sachverständigenbeirats der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten aus dem Jahr 2019 aufgegriffen. Der Prüfprozess steht am Anfang. Unterstützt von einem Expertengremium aus dem Museumsbereich und der Landesdenkmalpflege und begleitet durch die Kulturabteilung der Staatskanzlei liegt die fachliche Federführung bei der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Da Schlösser und Gärten zu den überrepräsentierten Gütern auf der Welterbe-Liste zählen, ist eine zentrale Herausforderung dieses Prozesses die Formulierung eines überzeugenden outstanding universal values in Abgrenzung zu den bereits eingetragenen vergleichbaren Gütern. Entschieden werden muss zudem, welche Güter nominiert werden.

    Antrag Jüdisch-mittelalterliches Erbe

    Im Februar 2021, während des Themenjahres „Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen“, wird der Freistaat Thüringen den Antrag der Stadt Erfurt auf Aufnahme des jüdisch-mittelalterlichen Erbes als UNESCO-Welterbe einreichen. Das ist ein großer Schritt einer langen Wegstrecke. Bei der letzten Fortschreibung der Tentativliste 2012 hatte Thüringen die Bewerbung Erfurts eingereicht. 2014 erfolgte die Aufnahme auf die Tentativliste. In den vergangenen Jahren wurden ein umfangreicher Antrag sowie ein Managementplan erarbeitet. Diese Dokumente sollen im Februar 2021 eingereicht werden. Der Antragsprozess sieht folgende Stationen vor: Die Stadt Erfurt übergibt den Antrag an das Land. Das Land leitet zur Vorprüfung  an die KMK weiter, von dort geht der Antrag an das Auswärtige Amt und schließlich an das UNESCO-Sekretariat des Welterbekomitees nach Paris. Ab der offiziellen Übergabe, also ab Februar 2021, erfolgen dann Prüfung und Beurteilung durch ein international besetztes Gremium. Eine Entscheidung über die Aufnahme als UNESCO-Welterbestätte wird im Rahmen der Jahrestagung des Komitees für das Erbe der Welt im Juni/Juli 2022 gefällt.

     

  •  

     

    Der Weg zur Antragseinreichung

    Zeitplan

    Verfahrensschritt

    31.10.2021

    Abgabe der Bewerbungsunterlagen durch die Länder

    03/2021 – 10/2021

    Auswahl und Beschluss über die Mitglieder des Fachbeirats

    10/2021

    Einrichtung Geschäftsstelle des Fachbeirats

    01.01.2022 - 28.2.2023

    Evaluation der Vorschläge und Vorlage des Abschlussberichts des Fachbeirats an den Kulturausschuss 

    31.12.2022

    Eingang von Vorschlägen aus dem Naturschutzbereich bei der KMK

    03/2023 – 10/2023

    Beratungen Beschlussfassung durch die Gremien der KMK und Abstimmung mit den für das Naturerbe zuständigen Bundesbehörden über die Reihenfolge der Tentativliste (sofern erforderlich)

    01/2024

    Einreichung der neuen Tentativliste bei der UNESCO

    01/2025

    Einreichung des 1. Antrags der neuen Tentativliste beim Welterbezentrum

Pressekonferenz vom 07.10.2021

Pressekonferenz, Teilnehmende vor Pulten im Studio

Kulturlandschaft der Thüringer Residenzen macht sich auf den Weg zum Welterbe-Status

Thüringens höfische Vielfalt könnte Welterbe werden. Der Freistaat strebt mit seiner Kulturlandschaft der Residenzen eine Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste an. Die erste Hürde ist die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste, die sogenannte Tentativliste. In den vergangenen Monaten hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Auftrag des Landes und in enger Abstimmung mit dem Thüringer Landeskonservator den Antrag dafür erarbeitet. Ende Oktober will die Landesregierung ihn bei der Kulturministerkonferenz einreichen. Dann beginnt ein Evaluierungsprozess, an dessen Ende eine neue Tentativliste der Länder steht. Ab 2025 wird die Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr ein Vorschlag aus dieser Liste dem Welterbekomitee in Paris vorlegen.

  • Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff dankt der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, insbesondere den beiden Bearbeiterinnen Dr. Astrid Ackermann und Claudia Schönfeld für die geleistete Arbeit und erklärt: „Mit dem Antrag für die deutsche Tentativliste für die Einschreibung in das UNESCO-Welterbe zeigen wir, dass unsere Thüringer Kulturschätze nicht nur in Deutschland einzigartig sind, sondern auch als Erbe der Menschheit Aufmerksamkeit verdienen. Die Thüringer Residenzkultur ist in ihrer Dichte und Vielfalt herausragend. Thüringen verfügt mit seinen Schlössern, Burgen und Residenzen über ein besonderes kulturhistorisches Erbe. Mit dem Sonderinvestitionsprogramm I haben wir zusammen mit dem Bund einen Sanierungsschub auf den Weg gebracht, der dieses Erbe sichert und bewahrt.“

    Im Mittelpunkt des Antrags stehen neun bis 1918 über Jahrhunderte als Regierungssitze genutzte Residenzschlösser verschiedener Dynastien in acht Residenzstädten. Ihre Dichte ist weltweit einzigartig. Nirgendwo sonst gibt es eine polyzentrale Residenzenlandschaft auf so engem Raum, die sich in vergleichbarer Kontinuität erhalten hat. Die strukturelle und funktionale Kontinuität ist an den Bauwerken bis heute ablesbar. Charakteristisch ist die selbstbewusste Integration von Altem in die Erneuerung und Erweiterung der Residenzen. Mittelalterliche Türme, Renaissancebauten, barocke Repräsentationsarchitektur und der Historismus des 19. Jahrhunderts fügen sich zu Bildern gebauter Geschichte. Sie drückten das Alter der Dynastien aus und unterstrichen damit ein wichtiges Argument für die Legitimation fürstlicher Herrschaftsansprüche. Und sie machen den von der Welterbe-Konvention geforderten „außerordentlichen universellen Wert“ (outstanding universal value) aus.

    Diese Residenzen bilden den Kern des Antrags: Schloss Heidecksburg in Rudolstadt (Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt), Schloss Sondershausen (Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen), das Obere Schloss in Greiz (Fürsten Reuß Älterer Linie) und das direkt benachbarte Untere Schloss (Fürsten Reuß Jüngerer Linie), das Residenzschloss Weimar (Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach), das Residenzschloss Altenburg (Herzöge von Sachsen-Altenburg), Schloss Friedenstein in Gotha (Herzöge von Sachsen-Gotha), Schloss Elisabethenburg in Meiningen (Herzöge von Sachsen-Meiningen) sowie das seit 1920 zu Bayern gehörende Schloss Ehrenburg in Coburg (Herzöge von Sachsen-Coburg).

    Die Ursachen für die Entstehung des Thüringer Alleinstellungsmerkmals liegen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Dessen Struktur war von einer engen Verflechtung kleinteiliger Herrschaftsgebiete zahlreicher Dynastien und ihrer Nebenlinien mit jeweils eigenen Residenzen geprägt. Diese mindermächtigen Territorien waren allein militärisch kaum schlagkräftig. Sie konkurrierten vor allem auf kulturellem Gebiet und brachten dabei eine große Vielfalt hervor. Das Ende des Reichs nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803, die napoleonische Zeit und der Wiener Kongress führten fast überall in Deutschland zur Bildung größerer zentralisierter Staatswesen. Nur in Thüringen blieb die Kleinteiligkeit erhalten, die auch durch die Reichsgründung 1871 nicht angetastet wurde.

    „Die Bewerbung um das UNESCO-Welterbe ist keineswegs ein Selbstläufer“, erläutert Dr. Doris Fischer, Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. „Deutschland ist auf der Welterbeliste bereits umfangreich vertreten, es steht in der Rangliste an dritter Stelle. Außerdem sind Schlösser sehr stark repräsentiert. Das Pfund, mit dem wir dennoch wuchern können, ist das dichte Netzwerk der fürstlichen Regierungssitze mit außerordentlich großem Originalbestand. Das wollen wir ins Schaufenster stellen. Zu diesen Flaggschiffen gehört jeweils ein Netz von Nebenresidenzen, Jagdschlössern und Sommersitzen, die auf die Hauptresidenzen bezogen sind. Auch sie werden profitieren, wenn die Aufnahme ins Welterbe gelingt.“

    Für Zuversicht sorgt das positive Votum eines Expertenkreises, der die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten bei der Erarbeitung beriet und auch den weiteren Prozess begleiten wird. Ihm gehören neben Landeskonservator Holger Reinhardt Welterbe-Experten, Historiker und Kunsthistoriker an.

    In den kommenden Jahren werden die Thüringer Staatskanzlei und die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gemeinsam mit den Kommunen einen Kommunikations- und Partizipationsprozess durchlaufen, der die weitere Erarbeitung des Welterbeantrags für die internationale Bewerbung transparent begleiten wird.

Geschichten und Interviews

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Private Schlossbesitzer im Freistaat

Interview mit Sabine Ortmann, Vorsitzende der Interessengemeinschaft „Private Burgen, Schlösser und Gutsanlagen in Thüringen e.V.“ (IPBSG) und Ehepaar Brautzsch, die Besitzer von Schloss Nimritz in Oppurg (https://www.schloss-nimritz.de)

Interview Dr. Doris Fischer

Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten am 11.6.2021 an der Peterskirche Erfurt

  • Interview Dr. Doris Fischer

    Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten / 11.6.2021 / an der Peterskirche Erfurt

    Frau Dr. Fischer, seit vier Jahren sind Sie Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Auch die Klosterkirche St. Peter und Paul gehört zu Ihrem Verantwortungsbereich. Wir würden hier nicht sitzen, wenn Sie diese Kirche mit ihrem Team nicht saniert und für uns heute zugänglich gemacht hätten im Rahmen der BUGA. Was ist das für ein Ort für Sie?

    „Es macht uns glücklich, denn es ist ja gelungen, hier fünf Millionen Euro zusätzliche Mittel vom Land Thüringen zu erhalten, um die Außeninstandsetzung der Peterskirche durchzuführen und sie im Inneren für eine Nutzung vorzubereiten. Und bei der Gelegenheit haben wir eine große Ausstellung konzipiert. Darin stellen wir elf unserer eigenen großen Garten- und Parkanlagen vor. Die Ausstellung knüpft an die Klostergärten an und spannt den Bogen komplett über die Renaissance- und Barockgärten bis hin zu den Landschaftsgärten des späten 19. Jahrhunderts“

    Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts, wird vom Land Thüringen finanziert. 31 Liegenschaften gehören dazu. – Wie transformiert man diese ins 21. Jahrhundert?

    „In erster Linie geht es darum, sie zu erhalten. Die Vermittlung ist der eigentliche Transformationsprozess, aber die Erhaltung ist die Voraussetzung dafür – und das ist der große Aufgabenschwerpunkt für uns als Schlösserstiftung. Wir haben noch sehr viele Liegenschaften, bei denen durchaus viel zu tun ist. Gleichzeitig ist es ein großes Anliegen, diese wunderbaren Kulturschätze auch der Öffentlichkeit zu vermitteln, um deutlich zu machen, dass wir in einem Kontinuum der Geschichte stehen. Wir haben die Vergangenheit, aus der wir viel lernen. Wir sind jetzt in der Gegenwart. Aber wir können vor allem für die Zukunft unglaublich viel Gewinn daraus schöpfen. Ich glaube, es ist wichtig, den Menschen dafür Anknüpfungspunkte zu bieten.“

    …und vielleicht auch zu akzeptieren, dass nicht alles perfekt und saniert sein kann, sondern dass auch das ein Prozess ist. Denn die Kassen sind nicht immer so gefüllt, wie Sie sich das wünschen, weil es zu viel zu tun gibt.

    „Das hat zum einen mit der Fülle an Kulturgütern zu tun, die wir in Thüringen haben. Zum anderen mit einem erheblichen Sanierungsstau, den wir auch knapp 30 Jahre nach der politischen Wende haben. Wir haben noch sehr viel zu tun. Aber unsere Erfahrung ist eine interessante: Die Menschen sind manchmal fast ein bisschen gelangweilt von komplett clean sanierten Liegenschaften. Wir machen die Erfahrung, dass gerade diese Brüche, Zwischenzustände, nicht perfekte Zustände, die einen Anreiz zum Denken geben und Fragen stellen, eigentlich das Spannendste sind.“

    Da sind wir beim Stichwort „Schwarzburg“. Ein Schloss, das nun wirklich viel Geschichte erlebt hat, in der Sie die Brüche ebenfalls sichtbar machen und die sie transformieren zu einem Ort der Demokratie: Wie spannend ist das? Wie gelingt das? Und wie weit sind Sie damit?

    „Die Schwarzburg ist ja überhaupt einer der interessantesten Orte hier in Thüringen. Es ist nicht nur die Stammburg der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt mit einer Baugeschichte, die im frühen Mittelalter ansetzt und mehrfach erweitert wurde. Sie liegt auch großartig landschaftsprägend im wunderbaren Schwarzatal und hat durch die Geschichte unter den Nationalsozialisten unglaubliche Brüche. Der Versuch, diese Anlage zu einem Reichsgästehaus umzubauen, hat sie  zur Ruine gemacht. Gleichzeitig haben wir mit Schwarzburg aber auch den Ort, an dem Friedrich Ebert die erste demokratische Verfassung Deutschlands unterzeichnet hat. Das Spannende ist, dieses Thema so aufzubereiten, dass wir erkennen, wie komplex Geschichte sein kann, und im besten Falle zu erreichen, dass man erkennt, wie wertvoll Freiheit, Liberalität, Toleranz, Demokratie sind.“

    Wenn wir heute auf die früheren Residenzen hier in Thüringen blicken, hat man hat den Eindruck, es ist Fluch und Segen zugleich. Thüringen als Schlösserland zu positionieren neben Bayern, Baden Württemberg, Rheinland-Pfalz und es auch wirksam zu positionieren –  ist das überhaupt machbar?

    „Ich halte das durchaus für machbar. Es ist natürlich eine Herausforderung, aber Thüringen hat eine Residenzenlandschaft, wie wir sie sonst nirgendwo haben. Wir sind auf dem Weg, diese spezifische Residenzenlandschaft vielleicht sogar als Welterbe zu positionieren. Wir haben eine außerordentlich große Dichte verschiedener Dynastien auf engstem Raum. Wir haben Residenzstandorte, die bis 1918 in völlig ungebrochener Funktion waren. Es muss uns gelingen, dieses dichte Bild erkennbar werden zu lassen und zur Marke für Thüringen zu entwickeln. Das lohnt sich, weil wir hier einen solchen Schatz haben, der nicht gehoben und bisher zu wenig bekannt ist.“

    Also es muss nicht unbedingt ein kopiertes Neuschwanstein sein, der Glanz muss nicht unbedingt sein, es dürfen auch die Brüche sein, die reizvoll sind, die beim Sanieren, beim Reflektieren und auch in der Kommunikation Geschichte sichtbar machen? Die Schönheit im Unvollkommenen und das Erzählen von Geschichte und Geschichten anhand der Brüche, auch das könnte eine Sonderstellung sein?

    „Das ist unbedingt wichtig, weil wir immer wieder erleben, dass insbesondere die jungen Menschen beim Blick auf die Schlösser sehr häufig sagen: ‚Was hat das mit mir zu tun? Das ist eine abgeschlossene Zeit, die interessiert mich nicht.‘ Aber wenn man plausibel macht, welche Brüche wir haben, was das mit uns zu tun hat und auch den Umgang zur DDR-Zeit mit diesen Anlagen in dieser Erzählung fruchtbar werden lässt, kann sich die Perspektive weiten. Zum Beispiel haben wir in Göllingen, diesem wunderbaren Rest einer Klosteranlage, zur DDR-Zeit eine Konservenfabrik gehabt, da stehen noch die  Hallen. So etwas ist verbunden mit total spannenden Geschichten, die müssen wir aufgreifen, die müssen wir erzählen und mit der Jetztzeit verknüpfen. Und dann können wir dieses ganze Thema der Burgen, Schlösser, unser kulturelles Erbe, ganz anders erzählen und vermitteln.“

Digitale Wege in die Welt der Thüringer Schlösser und Burgen

Neuigkeiten aus der Thüringer Schlösserwelt

„Die Thüringer Residenzkultur ist in ihrer Dichte und Vielfalt herausragend.“

Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff stellte am 07.10.2021 den aktuellen Stand des Bewerbungsprozesses „Die Thüringische Residenzenlandschaft“ zum UNESCO-Welterbe vor. Mit dabei: Die Direktorin der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Dr. Doris Fischer sowie der Präsident von ICOMOS…

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Pressekonferenz, Teilnehmende vor Pulten im Studio

SommerKulturTour Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanul Hoff: Spaziergang durch den Park des Schlosses Belvedere und Besuch der Orangerie

Die Präsidentin der Klassikstiftung Weimar, Dr. Ulrike Lorenz, zeigte ihm gemeinsam mit Andreas Petzold, Leiter der Orangerie, am Freitagvormittag, 27. August, die Höhepunkte auf dem Außenstandort der Buga 2021.

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Spaziergang durch den Park des Schlosses Belvedere und Besuch der Orangerie gemeinsam mit Frau Dr. Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, und Herrn Petzold, Leiter der Abteilung Gärten der Klassik Stiftung Weimar

Saisoneröffnung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie der feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“ in der Orangerie Gotha

„Das Sonderinvestitionsprogramm für Thüringer Schlösser ist Ausdruck einer deutlich höheren Investitionstätigkeit in die Kultureinrichtung des Freistaats Thüringen.“ - Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff

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Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Thüringer Staatskanzlei, am Sonntagmorgen zur diesjährigen Saisoneröffnung der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie der feierlichen Eröffnung der Ausstellung „Im Garten der Goldenen Früchte“ im Orangenhaus der Orangerie Gotha

Auftakt für das Park Café Molsdorf im Schloss Molsdorf

„Ich bin unglaublich froh, dass wir mit dem „Park Café Molsdorf“ das Schloss Molsdorf in seiner Gesamtattraktivität als Anziehungspunkt der Stadt Erfurt noch einmal erhöhen können. Dieses Café ist ein Beispiel für gelebte Inklusion. Vielen Dank an die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten und die…

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Herr Hoff gestikulierend vorm Café Molsdorf

Ein Refugium zum Denken - Übergabe der neugestalteten Anlagen des Schlosses Ettersburg

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Minister für Kultur,- Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, nahm heute an der feierlichen Übergabe der neugestalteten Anlagen des Schlosses Ettersburg teil. Die Veranstaltung wurde vom Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V. und der Klassik…

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Minister Hoff hält eine Rede im sonnendurchfluteten Schlossspark Ettersburg

Medieninformationen zum Thema "Schlösser in Thüringen"

  • Kulturlandschaft der Thüringer Residenzen macht sich auf den Weg zum Welterbe-Status


    146/2021
    Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

    Thüringens höfische Vielfalt könnte Welterbe werden. Der Freistaat strebt mit seiner Kulturlandschaft der Residenzen eine Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste an. Die erste Hürde ist die Aufnahme in die deutsche Vorschlagsliste, die sogenannte Tentativliste. In den vergangenen Monaten hat die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten im Auftrag des Landes und in enger Abstimmung mit dem Thüringer Landeskonservator den Antrag dafür erarbeitet. Ende Oktober will die Landesregierung ihn bei der Kulturministerkonferenz einreichen. Dann beginnt ein Evaluierungsprozess, an dessen Ende eine neue Tentativliste der Länder steht. Ab 2025 wird die Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr ein Vorschlag aus dieser Liste dem Welterbekomitee in Paris vorlegen.   zur Detailseite

  • Sonderinvestitionsprogramm I für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten


    92/2021
    Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

    Hoff: Größter Sanierungsschub für Schlösser und Residenzen in der Geschichte des Freistaats   zur Detailseite

  • Bund, Sachsen-Anhalt und Thüringen vereinbaren Sonderprogramm für mitteldeutsche Schlösser und Gärten


    85/2021
    Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

    Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Chefs der Staatskanzleien von Sachsen-Anhalt und Thüringen, Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten Benjamin-Immanuel Hoff, haben heute in Berlin eine Verwaltungsvereinbarung zur Förderung der mitteldeutschen Schlösser- und Kulturlandschaft unterzeichnet.   zur Detailseite

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