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Verdiente Thüringerinnen und Thüringer mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet – Übergabe durch Ministerpräsident Bodo Ramelow am 28. Januar

13/2021
Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Lutz Grau aus Saalfeld, Prof. Dr. Rolf Kalff aus Bucha, Tilo Schieck aus Jena sowie Anita und Günter Lichtenstein aus Göpfersdorf werden mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird Ministerpräsident Bodo Ramelow die Ehrung am kommenden Donnerstag, 28. Januar 2021, in der Thüringer Staatskanzlei vornehmen.

Aufgrund der Corona-Pandemie kann es keine feierliche Veranstaltung zur Überreichung der Orden geben. Ministerpräsident Bodo Ramelow wird die zu Ehrenden in der Thüringer Staatskanzlei empfangen und in Einzelterminen die Aushändigung vornehmen. Eine Teilnahme von Medienvertreterinnen und -vertretern ist leider nicht möglich; gern stellen wir aber Fotos zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Bernd Edelmann (bernd.edelmann@tsk.thueringen.de bzw. 0361-57 3211410).

 

In den Laudationes auf die Ausgezeichneten heißt es u. a.:

Lutz Grau aus Saalfeld wird mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein herausragendes Engagement im Sportbereich ausgezeichnet.

Mit großem persönlichem Einsatz, mit Kontinuität und Verlässlichkeit ist Lutz Grau seit vielen Jahren im Thüringer Boxsport engagiert; er ist eine feste Säule in der Vereinsarchitektur.

Mit 14 Jahren kam Lutz Grau zum Boxen, er war acht Jahre lang aktiv dabei und ist dieser Sportart bis heute treu geblieben. Nach eigenen Erfolgen – so errang er 1976 den Studentenmeistertitel – sorgt Lutz Grau heute als Übungsleiter beim „1. SSV Saalfeld 92 e. V.“ für Erfolge vieler anderer Sportlerinnen und Sportler.

Der Saalfelder Sportverein hat sich unter seinem Vorsitz zu einem Verein entwickelt, der generationen- und spartenübergreifend ein breitgefächertes Angebot bereithält.

Seit 2002 gehört Lutz Grau dem Vorstand des Thüringer Boxverbandes an; seit zehn Jahren ist er dessen Vizepräsident und verantwortlich für die Finanzen. Dank seiner exzellenten Arbeit steht der Thüringer Boxsportverband auf solidem finanziellem Fundament.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich Lutz Grau große Verdienste um die Neustrukturierung des Thüringer Sports erworben. So hat er die Förderung des Boxsports in Thüringen professionalisiert und zukunftsfähige Strukturen im Nachwuchsbereich geschaffen. Des Weiteren gehört er zu den Organisatoren der Deutschen Box-Meisterschaften, und er ist seit acht Jahren der Cheforganisator des international bekannten Kaderturniers des Thüringer Boxverbandes in der Sportschule in Bad Blankenburg mit 150 aktiven Teilnehmenden aus vier Nationen.

Für seine beeindruckenden Leistungen wurde Lutz Grau vielfach geehrt: 2002 mit der Sportmedaille der Stadt Saalfeld, 2008 mit der GutsMuths-Ehrenplakette in Gold des Landessportbundes Thüringen oder 2013 – anlässlich seines 60. Geburtstages – mit dem „Sport-Ehrenbrief“ der Stadt Saalfeld.

Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Das Verdienstkreuz am Bande ist Ausdruck des Dankes für das herausragende Engagement von Lutz Grau, für seine Verdienste um den Breiten- und den Spitzensport, für seine Vorbildwirkung im Verein und dafür, dass er das Profil des Thüringer Boxsports positiv geprägt hat. Mit besten Wünschen für eine gute Zukunft und noch viele erfolgreiche Jahre gratuliere ich Lutz Grau zu dieser hohen Auszeichnung.“

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Prof. Dr. Rolf Kalff aus Bucha wird mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für herausragende Verdienste um die neurochirurgische Versorgung in Thüringen und Deutschland geehrt.

Die Berufung von Prof. Dr. Rolf Kalff zum ersten Lehrstuhlinhaber für Neurochirurgie in Jena im Jahr 1994 sollte sich als großer Gewinn für Thüringen erweisen. Damals gab es keine neurochirurgische Klinik, und mit ganzer Energie hat Prof. Kalff am Universitätsklinikum Jena die Klinik mit wirbelsäulen- und traumachirurgischem Schwerpunkt aufgebaut und diese zu einem mehrfach zertifizierten und ausgezeichneten neurochirurgischen Zentrum entwickelt. Erst kürzlich wurde es von der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft als eines der wenigen deutschen Wirbelsäulenzentren mit der höchsten Stufe (Level 1) zertifiziert.

Heute werden hier jährlich über 2.000 Patienten – mit Verletzungen der Wirbelsäule, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einem Hirntumor – behandelt. Seit kurzem sind sogar Hirn-OPs bei wachen Patienten möglich.

Nicht nur wegen seiner großartigen Aufbauleistung und seiner dem Patienten zugewandten Art wird Prof. Kalff geschätzt. Auf vielfältige Weise hat er sich große Anerkennung erworben: als akademischer Lehrer mit vielbeachteter Forschungstätigkeit, als Mitglied in zahlreichen medizinischen Vereinigungen und Fachgesellschaften (u. a, war er Präsident der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft und  Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie), als ehrenamtliches Mitglied der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammer sowie als gefragter Gutachter bei Gerichtsverfahren und Schlichtungsverfahren zu fehlindizierten Rückenoperationen.

Prof. Kalff wird auch für sein Engagement als Demokrat mit gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein geehrt. Als Mitbegründer des gemeinnützigen Vereins „Weimarer Zirkel“, der Projekte zur Sicherung gleicher Lebens- und Bildungschancen für junge Menschen in Deutschland und zur Verständigung zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und religiösen Bekenntnissen in Europa unterstützt. Oder als Organisator von Vorträgen, Lesungen und musikalischen Veranstaltungen, die zu einem humanistischen Wertediskurs in der Öffentlichkeit beitragen.

„Die Auszeichnung mit dem Verdienstkreuz am Bande ist ein Zeichen der großen Wertschätzung für Prof. Kalffs außerordentliches Engagement – im medizinischen und im gesellschaftlichen Bereich“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Im Namen der Thüringerinnen und Thüringer sage ich herzlich Danke für alles, was Sie seit 1994 für unser Land geleistet und für unsere Gesundheitsversorgung bewirkt haben.

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Tilo Schieck aus Jena wird mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein gesellschaftliches Wirken in Thüringen, speziell in der Stadt Jena, ausgezeichnet.

Widerstand und Opposition gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit im Alltag sieht Tilo Schieck als seine Lebensaufgabe. Angefangen von der Arbeit in der kirchlichen Friedensbewegung und Opposition in der DDR, über das Arbeiten für die Universität und ihre Studierenden als Vorsitzender des Studentenrates und Senatsmitglied in der Übergangszeit, bis hin zum kommunalpolitischen Engagement im Jenaer Stadtrat – zeitlebens setzte und setzt sich Tilo Schieck aktiv für Demokratie, Frieden und Menschenrechte ein.

Das vielfältige ehrenamtliche Engagement von Tilo Schieck ist mit den Herausforderungen in seinem Leben gewachsen: Während des Studiums in Halle engagierte er sich in der kirchlichen Friedensbewegung, war Mitbegründer des Friedenskreises der Evangelischen Studentengemeinde. 1987 nahm er ein Theologiestudium in Jena auf und war Mitorganisator der „Ambulancia-Aktion“, bei der Theologie- und Jurastudenten – unabhängig von der FDJ und trotz politischen Drucks – Geld für einen Krankenwagen in Nicaragua sammelten.

Im März 1989 gehörte Tilo Schieck zu jenen, die eigenständig die Kommunalwahlen in der DDR beobachteten und die Wahlfälschungen der SED aufdeckten. Er war Mitorganisator des „Reformhauses“ – einer Versammlung von Studierenden der Jenaer Universität am 19. Oktober 1989 – und wirkte an der Entstehung des Studentenrates (StuRa) mit, der ersten demokratisch gewählten und politisch unabhängigen Studentenvertretung in der DDR.

Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Tilo Schieck weiter. 1991 war er das einzige studentische Mitglied der universitären Evaluierungskommission und von 1993 bis 1995 Mitglied der Thüringer Landespersonalkommission der FSU Jena. Seit 1992 ist er Mitglied in der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ und war viele Jahre im Jenaer Stadtrat kommunalpolitisch aktiv. Ebenso hat er sich um den Aufbau und den Erhalt des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte als Einrichtung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur verdient gemacht.

„Überall da, wo es notwendig war, hat Tilo Schieck Verantwortung übernommen“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Sein Lebensweg zeugt von herausragendem Engagement im Geiste der Freiheit, der Menschenwürde und Gerechtigkeit. Es ist mir eine große Ehre, Tilo Schieck das Verdienstkreuz am Bande überreichen zu dürfen.“

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Anita und Günter Lichtenstein aus Göpfersdorf werden mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihr uneigennütziges Engagement für Kunst und Kultur geehrt.

Als Kunstmäzene unserer Zeit sammelt das erfolgreiche Unternehmer-Ehepaar Kunstwerke ohne Erwartung eines ökonomischen oder persönlichen Nutzens als Gegenleistung. Gerda Lepke und Gerd Mackensen, Hans Ticha und Ulrike Theusner – seit den späten 1950er Jahren wächst bei Anita und Günter Lichtenstein eine für den mitteldeutschen Raum beispiellose Sammlung von Malerei und Grafik zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, mit Schwerpunkt auf ostdeutscher Kunst. Inzwischen gehören etwa 10.000 Werke zur Sammlung in Göpfersdorf. U. a. dafür wurden sie 1999 anlässlich der Messe ART Frankfurt mit dem „Adam-Elsheimer-Preis“ geehrt. Ihr Engagement für die Kunst mündete schließlich in einer eigens dafür ins Leben gerufenen Stiftung, der „Anita und Günter Lichtenstein Stiftung“.

Doch geht das Wirken der Lichtensteins weit über den Kunstbereich hinaus. So hat Günter Lichtenstein sich in vielen weiteren Bereichen engagiert: als Abgeordneter der damaligen LDPD im Kreistag, als langjähriges Mitglied im Göpfersdorfer Gemeinderat, als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr oder als Sprecher des Wirtschaftsvereins Altenburger Land. Im Jahr 2012 wurde er mit der „Medaille für besondere Verdienste“ des Landkreises Altenburger Land geehrt.

Günter Lichtenstein war Gründungsmitglied und über 20 Jahre im Vorstand des Förderkreises „Freunde des Lindenau-Museums“ e.V.. Als Mäzen hat er Kunstankäufe für das Lindenau-Museum unterstützt, und er war Initiator für das Bernhard-von-Lindenau-Stipendium, das jungen bildenden Künstlerinnen und Künstlern unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums eine Chance zu unabhängiger Arbeit geben soll.

Seit vielen Jahren sind Anita und Günter Lichtenstein eng mit dem Heimatverein Göpfersdorf e.V. verbunden. Mit ihrem fachlichen Wissen, ihrem Beziehungsnetzwerk und einem finanziellen Beitrag waren sie am Umbau des historischen Quellenhofs zum Kultur- und Erlebnishof, der sich in Trägerschaft des Heimatvereins Göpfersdorf befindet, beteiligt. Das Ehepaar Lichenstein hat großen Anteil an der Vielfalt der kulturell-künstlerischen Angebote des Vereins und an dessen gutem Ruf in der Region zwischen Leipzig, Chemnitz und Zwickau. Anita und Günter Lichtenstein haben Göpfersdorf zu einem außergewöhnlichen Kunst-Ort gemacht.

„Anita und Günter Lichtenstein sind Visionäre, Impulsgeber und Förderer für unsere Gesellschaft mit starker regionaler Verbundenheit“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Sie fühlen sich Ihrer Heimatregion nicht nur eng verbunden, sie setzen sich auch mit ganzer Kraft für eine gute Zukunft von Göpfersdorf, dem Altenburger Land und ganz Ostthüringen ein. Ich danke sehr für dieses herausragende Engagement.“

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