Ministerpräsident Bodo Ramelow reist nach Belgrad und verleiht Ivan Ivanji den Thüringer Verdienstorden

18/2019 Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

„Ivan Ivanji hat Bleibendes für Frieden und Versöhnung in Europa geleistet. Der Thüringer Verdienstorden ist Ausdruck unseres größten Respekts und tiefer Dankbarkeit für sein reiches Lebenswerk. Wir ehren ihn für sein Jahrzehnte währendes Engagement, die Verbrechen der Shoa aufzuarbeiten und die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten. Wir würdigen Ivan Ivanji gleichermaßen als politisch engagierten und mit der Gedenkstätte Buchenwald eng verbundenen Zeitzeugen, als verehrten Schriftsteller und kritischen Beobachter der gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa“, sagt Ministerpräsident Bodo Ramelow vorab mit Blick auf die Feierlichkeiten anlässlich Ivanjis 90. Geburtstags am Samstag, den 26. Januar, in Belgrad.

Ivan Ivanji war erst 15 Jahre alt, fast noch ein Kind, als er am 27. Mai 1944 nach Auschwitz verschleppt wurde. Als Häftling 58116 war er dann im Hauptlager Buchenwald auf dem Ettersberg. Von dort gelangte er in die Außenlager Magdeburg, Niederorschel und schließlich Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt. Nach dem Krieg studierte er an der Belgrader Universität Architektur und Germanistik, arbeitete als Lehrer, Theaterintendant, Dolmetscher für Josip Broz Tito, als jugoslawischer Kulturattaché in Bonn und war viele Jahre Generalsekretär des jugoslawischen Schriftstellerverbandes.

In der Laudatio heißt es weiter: Im Schreiben hat Ivan Ivanji eine beglückende Form der Existenz gefunden. Er hat ein umfangreiches, beachtenswertes Oeuvre von Romanen, Erzählungen, Dramen und Essays geschaffen, in dem er die Erfahrungen des Fünfzehnjährigen, der die Lager von Auschwitz und Buchenwald überlebt, zum Ausgangspunkt seiner Reflexionen über menschlichen Ängste, Wünsche und Sehnsüchte macht. Seine Gedanken über die Auswirkungen von psychischer und physischer Gewalt auf das einzelne Individuum sind auch heute noch von erschreckender Aktualität. Ivan Ivanji ist in vielen Traditionen zu Hause, in mehreren Sprachen und Kulturen. Das macht ihn zu einem wahrhaft europäischen Schriftsteller. Er ist ein Humanist und ein leidenschaftlicher Erzähler, dessen Appell an die Vernunft und Glaube an eine humane Zukunft von vielen Menschen bewundert wird.

Bodo Ramelow betont: „Besondere Anerkennung verdient seine aktive Unterstützung der Gedenkstätte Buchenwald. Immer wieder spricht Ivan Ivanji öffentlich über seine Erfahrungen und sucht den Kontakt vor allem zu jungen Menschen. Seine Erfahrungen sind für unsere Erinnerungskultur außerordentlich kostbar. Mit der Stadt Weimar ist er bis heute eng verbunden. Er reicht uns die Hände zur Versöhnung. Es ist ein einzigartiges, kostbares, ein unbezahlbares Geschenk des Vertrauens an uns Deutsche, für das wir sehr dankbar sind.“

Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar wird Bodo Ramelow am Sonntag in Belgrad an der offiziellen Gedenkveranstaltung teilnehmen und in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Staro Sajmiste einen Kranz niederlegen. Teilnehmer von serbischer Seite werden Staatspräsident Aleksandar Vučić, der stellvertretende Parlamentspräsident Veroljub Arsić sowie Isak Asiel, Rabbiner von Belgrad, Robert Sabadoš, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, und Dalibor Nakić, Vorsitzender des Roma-Nationalrats, sein. Von deutscher Seite sind neben Bodo Ramelow unter anderem der Deutsche Botschafter, Thomas Schieb, und der Direktor der Stiftung Buchenwald, Prof. Volkhard Knigge, dabei.         

Festveranstaltung aus Anlass des 90. Geburtstags von Herrn Ivan Ivanji und Verleihung des Verdienstordens des Freistaats Thüringen

Zeit: Samstag, 26. Januar 2019, 16 Uhr
Ort: Belgrad, Pressezentrum, Knez Mihailova 6/3 (3. Stock)

Gedenkveranstaltung anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages mit Kranzniederlegung in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Staro Sajmiste

Zeit: Sonntag, 27. Januar 2019, 11.50 Uhr
Ort: Gedenkstätte des Konzentrationslagers Staro Sajmiste, Alte Messe, Belgrad

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