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Gestaltung einer Stätte der Erinnerung und Mahnung für die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) am Thüringer Landtag in Erfurt Beer: Gedenkort ist ein bedeutsames erinnerungskulturelles Vorhaben

181/2022
Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Eine stilisierte Darstellung des geplanten NSU Opferdenkmals

Der Siegerentwurf des Wettbewerbs zur Gestaltung eines Gedenk- und Erinnerungsorts für die NSU-Opfer ist gekürt. Mit dem 1. Preis wurde die Arbeit „Schattenwurf“ des Stuttgarter Künstlerduos Dagmar Korintenberg + Wolf Kipper ausgezeichnet, die beide zusammen mit dem Landschaftsarchitekturbüro „realgrün“ aus München entwickelt haben. Diese Entscheidung hat das Preisgericht unter Vorsitz von Leonie Baumann, Kuratorin für den Hauptstadtkulturfonds in Berlin, nach ausführlicher Diskussion im Oktober dieses Jahres getroffen. Auf der heutigen Pressekonferenz im Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt wurde der Siegerentwurf der Öffentlichkeit präsentiert. 

Thüringens Kulturstaatssekretärin Tina Beer, die als Jurymitglied an dem Preisgericht teilgenommen hat, erklärte: „Der geplante Gedenkort ist für Thüringen, aber auch darüber hinaus, ein wichtiges erinnerungskulturelles Vorhaben. Die ausgewählte Arbeit ‚Schattenwurf‘ thematisiert auf eindringliche Weise die Schatten, die die beispiellose Mord- und Anschlagsserie des NSU bis heute auf die Opferfamilien, aber auch auf unsere Gesellschaft wirft.“

Mit Blick auf die besondere Verantwortung Thüringens für den NSU-Komplex hatte der Thüringer Landtag im September 2017 die Errichtung eines Erinnerungsortes für die Opfer des NSU beschlossen. Mit dem Mahnmal soll einerseits die Erinnerung an die Opfer wachgehalten und andererseits ein Ort geschaffen werden, der zum Nachdenken über Rechtsextremismus und rassistische Strukturen in unserem Gemeinwesen anregt. Der Erinnerungsort soll gegenüber des Thüringer Landtags auf dem Beethovenplatz errichtet werden.

In Thüringen fand keine der Taten der rechten Terrorzelle statt. Die Mitglieder des NSU Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe stammten jedoch aus Jena, wo sie sich der rechtsextremistischen Szene anschlossen und dann auch untergetaucht sind.

Tina Beer betont: „Statt im rechtsextremen Milieu suchte man die Täter lange Zeit im Umfeld der Opfer. Das beschämt uns bis heute. Auch deshalb habe ich mich für einen Gedenkort eingesetzt. Er ist das Mindeste, was wir für die Hinterbliebenen und die Opfer des NSU leisten können. Gleichzeitig begreife ihn auch als eine beständige Mahnung, unsere Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus intensiv fortzusetzen, wenn wir unsere Demokratie, die Vielfalt in unserer Gesellschaft und unsere Meinungsfreiheit schützen und bewahren wollen."

 

Der Wettbewerb wurde im Frühsommer dieses Jahres ausgelobt. Insgesamt 15 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern gingen in den Entscheid ein. Im Vorfeld des Preisgerichts wurden alle Entwürfe auch den Angehörigen der NSU-Mordopfer und den Betroffenen der Sprengstoffanschläge der Terrorzelle gezeigt. Für die Realisierung des Erinnerungsorts stehen rund 200.000 Euro zur Verfügung.

Alle Entwürfe werden ab Freitag, 2. Dezember 2022, bis Sonntag, 19. Februar 2023, in einer Ausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne der Öffentlichkeit kostenfrei gezeigt. Angesichts der überregionalen Bedeutung des Themas sind die Arbeiten zeitgleich auf folgender Webseite der Thüringer Staatskanzlei zu sehen: www.thueringen.de/nsu-mahnmal

Hintergrund:

Bei dem selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) handelte es sich um eine rechtsterroristische Gruppe. Die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie ihre Komplizin Beate Zschäpe waren in Jena aufgewachsen. Bei der Suche nach dem Trio unterliefen den Thüringer Sicherheitsbehörden Pannen und Fehler. 2012 richtete der Thüringer Landtag daraufhin einen ersten Untersuchungsausschuss ein, der von 2015 bis 2019 fortgeführt wurde.

 

Anlage: Perspektive Entwurf 1. Preis, Künstlerduos Dagmar Korinterberg & Wolf Kipper aus Stuttgart in Zusammenarbeit mit realgrün Landschaftsarchiteten GmbH aus München  

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