Gemeinsame Medieninformation der Thüringer Staatskanzlei und des Thüringer Landtags: Landtagspräsidentin Diezel und Ministerpräsident Ramelow würdigen Festakt zum Jubiläum der Weimarer Reichsverfassung als Ereignis von nationaler Strahlkraft

21/2019 Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Anlässlich des Festaktes zum 100. Jubiläum der Weimarer Reichsverfassung am 6. Februar 2019 in Weimar betonen Landtagspräsidentin Birgit Diezel und Ministerpräsident Bodo Ramelow die überragende historische Bedeutung des Ereignisses für die Entwicklung der Demokratie in unserem Lande.

Ministerpräsident Bodo Ramelow:

„Die Weimarer Reichsverfassung war ein Meilenstein für die Entwicklung der Demokratie in unserem Land. Die Verankerung von Grundrechten in der Verfassung, die Anerkennung des Volkes als Souverän und die Gleichberechtigung der Geschlechter können in ihrer Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Darüber hinaus verpflichtete die Verfassung den Staat erstmalig darauf, allen Bürgerinnen und Bürgern ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Mit dem Ziel, die Gleichheit der Lebensverhältnisse herzustellen, wurden weitreichende sozial- und wirtschaftspolitische Bestimmungen in der Verfassung verankert. Dazu gehören zum Beispiel die Anbindung des Wirtschaftslebens an das Gemeinwohl und das Recht auf Arbeit. Mit der Vereinigungsfreiheit, der Tarifautonomie und den Ansätzen zur betrieblichen Mitbestimmung wurde das Fundament unseres modernen Sozialstaats entscheidend erweitert. Es bleibt dauerhafte Pflicht aller Demokratinnen und Demokraten, politische Freiheit und soziale Gerechtigkeit zusammen zu denken und in Übereinstimmung zu bringen.“

Landtagspräsidentin Birgit Diezel:

„Vor 100 Jahren gewann die Idee eines demokratischen Verfassungsstaates auf deutschem Boden konkrete Gestalt. In Weimar versammelten sich die Abgeordneten der Nationalversammlung, um in einer Zeit des Umbruchs den demokratischen Aufbruch zu gestalten. Damit rückte die Stadt an der Ilm für vier Monate in den Mittelpunkt der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit. Dass die Wahl auf Weimar fiel, hatte verschiedene Ursachen, z. B. Sicherheitserwägungen und die verkehrstechnisch günstige Lage. Aber diese Wahl stellte auch ein Symbol dar, denn Weimar war und ist – wie ganz Thüringen – ein Zentrum deutscher Kultur und ein Brennpunkt europäischer Einflüsse, eine Stadt der Vielfalt und damit auch ein Spiegel der Vielfalt der deutschen Länder mit ihren verschiedenen Prägungen, die hier in einer demokratischen Verfassung zusammengefügt wurden. Auch heute ist die Vielfalt unserer Regionen und die Eigenständigkeit der Länder ein Kernelement deutscher Staatlichkeit. Der Föderalismus, im Sinne einer auf gemeinsames Handeln ausgerichteten Balance zwischen Bund und Ländern, stellt eine sichernde Stütze unserer Demokratie dar und ist für unsere demokratische Verfassung von unschätzbarem Wert.“

Am kommenden Mittwoch, 6. Februar 2019, wird in Weimar der 100. Jahrestag der Konstituierung der Nationalversammlung, die Deutschland die erste republikanische Verfassung gab, gefeiert – als die Geburtsstunde unserer Demokratie. Bürgerinnen und Bürger aus allen Bereichen unserer Gesellschaft werden gemeinsam mit den höchsten Vertreterinnen und Vertretern der Verfassungsorgane des Bundes einen Festakt im Deutschen Nationaltheater begehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Festrede halten. Der Bundespräsident wird gemeinsam mit Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Daniel Günther und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, ein Gedenkblatt zur Erinnerung an den Jubiläumstag unterzeichnen – im Wittumspalais, wo im Februar 1817 der erste nach einer Verfassung gewählte Landtag Sachsen-Weimar-Eisenachs zusammen kam.

Die Feierlichkeiten an diesem Tag beginnen mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Herderkirche, danach steigt ein großes Bürgerfest im Jugend- und Kulturzentrum mon ami am Goetheplatz. Verschiedene Demokratieprojekte werden im Herderzentrum am Herderplatz sowie in der Weimarer Parkschule am Sophienstiftsplatz veranstaltet.
Am Nachmittag sind die Bürgerinnen und Bürger Weimars und die Gäste der Stadt herzlich eingeladen, dem Geschehen beizuwohnen und sogar dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin oder den anderen Ehrengästen direkt zu begegnen. Diese Möglichkeit bietet sich ab 14:45 Uhr auf dem Theaterplatz. Der Zugang zu dem für die Bürgerinnen und Bürger vorgesehenen Bereich kann über die Wielandstraße/Fußgängerzone erfolgen.

Vom 1. bis 10. Februar wird eine anlässlich des Verfassungsjubiläums vom Deutschen Nationaltheater Weimar veranstaltete „Woche der Demokratie“ stattfinden: mit einer Vielzahl kultureller Angebote an Theater, Musik, Aktion, Diskussion und Begegnung – unter anderem mit einer Schreibwerkstatt oder einer Lichtperformance.

 

 

Diese Seite teilen:

Der Freistaat Thüringen in den sozialen Netzwerken: