Ministerpräsident Bodo Ramelow verleiht Thüringer Verdienstorden

267/2018 Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Renate Müller, Marion Schneider und Prof. Gerald Grusser werden am kommenden Montag, 3. Dezember 2018, mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet. Ministerpräsident Bodo Ramelow, der die Ehrung vornehmen wird, sagt vorab: „Thüringen ist ein solidarisches, mitmenschliches und soziales Land, in dem Engagement und Bürgersinn großgeschrieben werden. Jeder Orden, den ich verleihen oder übergeben darf, steht für Gestaltungskraft, Hilfsbereitschaft und gelebte Demokratie. Als Thüringer Ministerpräsident danke ich Menschen wie Renate Müller, Marion Schneider und Prof. Gerald Grusser, die sich mit großer Kreativität für unser Gemeinwesen einsetzen und die Gesellschaft mitgestalten. Die Thüringen zu einem Land machen, in dem wir gern leben.“

Termin: Montag, 3. Dezember 2018, 14 Uhr
Ort: Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt

Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zu der Veranstaltung herzlich eingeladen. Bei Interesse an Fotos wenden Sie sich bitte an Bernd Edelmann (bernd.edelmann@tsk.thueringen.de bzw. 0361-57 3211410).

In den Laudationes auf die Ausgezeichneten heißt es u. a.:

Renate Müller aus Sonneberg hat sich in einer mehr als fünf Jahrzehnte umfassenden, einzigartigen Karriere als Spielzeug-Designerin weltweite Anerkennung erworben. Einer Spielzeugmacherfamilie entstammend war sie von frühester Jugend an mit jedem Handgriff in der Produktion vertraut. Bereits als 14-jährige wurde sie auf Messen mitgenommen; ab 1964 studierte sie an der Sonneberger Fachschule Spielzeugdesign. 

Bereits während ihres Studiums entwarf Renate Müller auf Anregung ihrer Dozentin Helene Haeusler Spielzeug, für das sie nicht den klassischen Plüsch, sondern Rupfen bevorzugte, das gröber und steifer ist und stärkere haptische Impulse gibt. Durch die Kombination mit anderen natürlichen Materialien wie Holz und Leder gelang es ihr, kontrastreiche Objekte zu gestalten, die Kinder zum Tasten, Greifen und Turnen einluden.

Auf Drängen von Helene Haeusler brachte Renate Müller die Rupfen-Tiere in der elterlichen Firma zur Serienreife. Auf der Leipziger Herbstmesse 1967 wurden die ersten Nashörner gezeigt, auf die sofort mehrere Ärzte aufmerksam wurden.

Sie erkannten den therapeutischen Wert der Tiere und vermuteten, dass sie sich hervorragend für die Arbeit in der Kinderpsychiatrie oder Kinderorthopädie eignen würden.

Nach einer längeren Erprobungsphase in verschiedenen Kinderkliniken und Einrichtungen erhielten die Rupfen-Tiere das Zertifikat „Therapeutisch wertvoll“, und schnell eroberten sie die Kindergärten der DDR, die Kinderarztpraxen, die Behinderteneinrichtungen. 1976 erhielt Renate Müller für ihre Kreationen die Goldmedaille des Leipziger Messeamtes – ein erster Höhepunkt in der Karriere als Spielzeugdesignerin.

Als 1972 die letzten Privatbetriebe in einer großen Aktion verstaatlicht wurden, betraf das auch den Betrieb der Familie Müller. Zunächst existierte er unter dem Namen „VEB Therapeutisches Spielzeug“ weiter, später ging er dann im „VEB sonni Sonneberg“ auf. Renate Müller verlor nicht nur das Eigentum an dem Betrieb, sondern durfte auch kein Spielzeug mehr entwerfen. So machte sie sich selbstständig, entwarf und baute eigenhändig Spielplätze und gestaltete Raumkonzepte für Kinderkliniken, Kindergärten und museumspädagogische Spielräume.

Nach der Wiedervereinigung erhielt Renate Müller den elterlichen Betrieb zurück, konnte aber leider auf dem internationalen Markt zunächst nicht Fuß fassen.
Ein japanischer Pädagoge wurde schließlich ihr Hauptabnehmer und belieferte fortan japanische Kindergärten und Behinderteneinrichtungen mit ihren Produkten.

Von Sonneberg über Japan bis in die USA – die Kreationen von Renate Müller werden weltweit präsentiert, so bereits mehrfach im berühmten Museum of Modern Art.

Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Ich schätze die kreative Arbeit von Renate Müller außerordentlich und sehe in ihr eine Botschafterin für Thüringen. Sie steht für das, was unser Land geprägt hat und was wir auch heute wieder brauchen: Kreativität, Fleiß, Beharrlichkeit und den Wunsch, unsere Heimat menschenwürdig zu gestalten.
Ich freue mich sehr, Renate Müller den Thüringer Verdienstorden zu überreichen.“

Marion Schneider aus Bad Sulza ist nicht nur eine innovative Managerin mit einem ausgeprägten politischen, sozialen und kulturellen Verantwortungsbewusstsein.
Sie arbeitet außerdem ehrenamtlich in vielen Gremien und engagiert sich für mehrere Vereine, die die Wirtschaft, Bildung, Kultur und Sport in Thüringen voranbringen wollen.

Mit der Toskanaworld GmbH, dem Klinikzentrum Bad Sulza, der Toskana Therme sowie mehreren Hotels in und außerhalb von Thüringen ist sie erfolgreiche Unternehmerin im Bereich Tourismus, Gesundheit und Wellness. Ihrem Ideenreichtum und Einsatz ist es zu verdanken, dass die Toskana-Unternehmen mittlerweile zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region gehören.

Der steigende Fachkräftebedarf in unserem Land gehört zu den Themen, die Marion Schneider umtreiben. Jungen Menschen eine Lebensperspektive zu eröffnen, ist für sie ein politischer Auftrag, das Gemeinschaftsleben in sozialer Gerechtigkeit zu ordnen unabhängig von ihrer Herkunft. Ihre Unternehmen beteiligen sich stark an der Berufsausbildung und binden dabei auch Jugendliche aus Polen, Ungarn und der Ukraine ein.

Der Wunsch, einen eigenen Beitrag für ein gelingendes Miteinander in unserer Gesellschaft zu leisten, prägt auch ihr ehrenamtliches Wirken. Sie engagiert sich politisch für viele Themen, die den Lebensalltag der Bürgerinnen und Bürger direkt berühren, ihn verbessern, schöner und vielfältiger machen.

Marion Schneider unterstützt eine Vielzahl von Initiativen und Vereinen. Insbesondere benachteiligten Kindern gilt ihr Augenmerk - in Deutschland und der ganzen Welt. Als Vorstandsvorsitzende des Internationalen Kinderhilfswerks „Ourchild“ setzt sie sich mit ganzer Kraft für soziale Projekte in zehn Ländern ein, insbesondere in der Dritten Welt.

Auch im kulturellen Bereich wird Marion Schneider als kluge Ratgeberin, als freigiebige Sponsorin und gut vernetzte Interessenvertreterin geschätzt.
Sie engagiert sich für das Auerworld-Festival, das Kunsthaus Avantgarde Apolda und den Verein Weimarer Republik e.V. sowie für das sakrale Bauerbe im Weimarer Land.

Darüber hinaus unterstützt Marion Schneider Vereine, die sich der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen widmen. Dazu gehören der Verein Prager-Haus Apolda e. V. oder der Verein zur Förderung der Gedenkstätte Hadamar e. V.. In Apolda spendete sie mehrere Stolpersteine, die dem Gedenken an die jüdischen Mitbürger, Zwangsarbeiter und Euthanasieopfer einen konkreten Ort geben, und sie unterstützte mehrere Schülerprojekte in Bad Berka, in denen sich junge Menschen mit Auschwitz auseinandersetzten.

Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Marion Schneider ist ein Glücksfall für Bad Sulza und das Weimarer Land. Seit vielen Jahren bereichert sie das touristische Angebot in Thüringen und sorgt für Ausbildung und Beschäftigung. Ihre Energie und ihr Tatendrang gelten ebenso der Kultur, der Aufarbeitung und der Entwicklungshilfe. Für diesen unermüdlichen Einsatz erhält Marion Schneider den Thüringer Verdienstorden.

Prof. Gerald Grusser aus Erfurt wird nicht nur für sein engagiertes Wirken als Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt geehrt, sondern darüber hinaus auch für sein vielfältiges Engagement für die Integration von Geflüchteten.

Durch seine langjährige Tätigkeit als IHK-Hauptgeschäftsführer ist Prof. Grusser die Stimme der Thüringer Wirtschaft. Gleichzeitig ergreift er aber für diejenigen das Wort, die dringend unserer Unterstützung bedürfen. Bei jeder Gelegenheit setzt er sich mit großem Engagement für die Integration geflüchteter Menschen ein.

Als 2015 täglich tausende Menschen vor Krieg, Verfolgung und Not nach Deutschland flohen, war für Prof. Grusser sofort klar: Wir müssen diesen Menschen eine Perspektive geben und sie in unseren Arbeitsmarkt integrieren. Noch im gleichen Jahr initiierte er hierzu das Projekt „Vocational Training Center“ (CTV), um Asylsuchende in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das zunächst im Pilotbetrieb geführte Projekt brachte innerhalb kürzester Zeit große Erfolge, so dass es nach sechsmonatiger Erprobung in ein landesweites Projekt zur Förderung der Integration von Flüchtlingen (FIF) überführt wurde. Das Projekt ist eine große Bereicherung für die Thüringer Willkommenskultur. Nach zweijähriger Laufzeit konnten rund 1.300 bleibeberechtigte Asylsuchende zielgerichtet betreut und mehr als die Hälfte erfolgreich in Ausbildung, Arbeit, Praktika oder in Qualifizierungsmaßnahmen vermittelt werden.

Auch wenn die Flüchtlingszahlen im Vergleich zu 2015 deutlich zurückgegangen sind, hat Prof. Grusser in seinem Wirken nicht nachgelassen. Er hat das Projekt weiterentwickelt und ein Netzwerk geschaffen, das wichtiger Baustein für die Integration als langfristiger Prozess ist.

Die hohe Integrationsbereitschaft der Thüringer Wirtschaft ist ganz maßgeblich auch Prof. Grusser zu verdanken. Er vertritt dabei die klare Auffassung von einem prosperierenden Wirtschaftsstandort: Thüringen als ein weltoffenes Land, dessen Wohlstand aus dem Beitrag jeder und jedes Einzelnen hervorgeht. Ein Land, das allen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder religiösem Glauben, eine Chance zur Integration in den Arbeitsmarkt und in unsere Gesellschaft gibt.

Auch außerhalb der Flüchtlingsintegration ist Prof. Grussers außergewöhnliches Engagement für die Thüringer Wirtschaft nicht hoch genug zu würdigen. Er hat sich maßgeblich in den Wiederaufbauprozess der Thüringer Wirtschaft eingebracht und dabei auch wichtige und vielfältige Wirtschaftsbeziehungen – vor allem mit den skandinavischen Ländern und Frankreich – aufgebaut und ausgebaut.

Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Nachdem Prof. Gerald Grusser erst am Freitag in Luxemburg mit dem Europäischen Verdienstorden Mérite Européen ausgezeichnet wurde, ist es mir nun eine besondere Ehre, ihm den Thüringer Verdientsorden zu verleihen. Der Orden ist Ausdruck für die Wertschätzung und Anerkennung des Freistaats Thüringen für sein jahrzehntewährendes Engagement für die Wirtschaft, für die Gesellschaft und vor allem für die geflüchteten Menschen in unserem Land aus.“

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