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Verdiente Thüringerinnen und Thüringer mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnet – Übergabe durch Ministerpräsident Bodo Ramelow am 15. März

35/2022
Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Wolfgang Fiedler aus Tröbnitz, Constance Hunold aus Hauröden, Hannah Abigail Kruse aus Gera, Petra Reinhardt aus Suhl, Karsten Schmidt aus Ichtershausen, Andreas West aus Westhausen und Anja Zachow aus Erfurt werden mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird Ministerpräsident Bodo Ramelow die Ehrung am kommenden Dienstag, 15. März 2022, ab 15 Uhr im Augustinerkloster zu Erfurt vornehmen.

Aufgrund der aktuellen Lage kann nur eine begrenzte Anzahl an Medienvertreterinnen und Medienvertretern vor Ort teilnehmen. Anmeldungen bitte an: medieninformation@tsk.thueringen.de.

Gern stellen wir aber Fotos zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Bernd Edelmann (bernd.edelmann@tsk.thueringen.de bzw. 0361-57 3211410).

 In den Laudationes auf die Ausgezeichneten heißt es u. a.:

Wolfgang Fiedler aus Tröbnitz wird das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein jahrzehntelanges bürgerschaftliches Engagement als ehrenamtlicher Bürgermeister der Ortschaft Tröbnitz, beim Landesfeuerwehrverband sowie im kulturellen und sozialen Bereich überreicht.

Das politische Wirken des studierten Feinwerktechnikers und Abteilungsleiters bei Carl Zeiss in Jena begann im Frühjahr 1990 mit seiner Wahl zum Abgeordneten der Volkskammer, dem ersten frei gewählten Parlament der DDR. Zwei Wochen nach der Wiedervereinigung und der Auflösung der Volkskammer zog er für die CDU in den Thüringer Landtag ein. Fünf Mal wurde er mit einem Direktmandat wiedergewählt, bevor er sich im Jahr 2019 in den verdienten Ruhestand zurückzog.

Wolfgang Fiedler ist nicht nur ein leidenschaftlicher Innenpolitiker, sondern auch seit Jahrzehnten in vielen verschiedenen Bereichen für die Thüringer Feuerwehr aktiv, wofür ihm 2016 das Silberne Brandschutzehrenzeichen als Steckkreuz verliehen wurde – eine Auszeichnung, die im Freistaat bisher nur drei Mal vergeben wurde.

Auch im kulturellen Bereich ist Wolfgang Fiedler kein unbeschriebenes Blatt. Seit 1998 gehört er dem Vorstand des gemeinnützigen Förderkreises der Leuchtenburg an. Es ist sein Verdienst, dass sie zu den ersten barrierefreien Höhenburgen Deutschlands zählt.

Wolfgang Fiedler setzt sich mit großem Enthusiasmus für die Belange verschiedenster sozialer und kultureller Vereine ein. Er ist Netzwerker, Geldbeschaffer und Wegbereiter. Auch in seinem Ruhestand hat sein Engagement nicht nachgelassen.

„Dass politisches und ehrenamtliches Engagement häufig Hand in Hand gehen, zeigt sich in der Person von Wolfgang Fiedler“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Seit drei Jahrzehnten engagiert er sich ehrenamtlich als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Tröbnitz, außerdem beim Landesfeuerwehrverband und im kulturellen und sozialen Bereich. Für diesen herausragenden Dienst an der Gemeinschaft überreiche ich ihm das Verdienstkreuz am Bande.“

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Constance Hunold aus Hauröden wird für ihr über herausragendes Engagement im Ambulanten Hospiz- und Palliativen Beratungsdienst (AHPB) das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland übergeben.

Constanze Hunold engagiert sich seit über 20 Jahren im Ambulanten Hospiz- und Palliativwesen im Eichsfeld. Schon während ihrer Tätigkeit als Krankenschwester engagierte sie sich besonders für Patientinnen und Patienten mit einer ungünstigen Prognose. So fand sie den Weg zum modernen Hospizgedanken.

Schwer erkrankten Menschen ohne Aussicht auf Heilung in dieser letzten Lebensphase so viel Autonomie wie möglich zu erhalten, ist ihr Ziel. Das Schenken von Nähe, Zuwendung und die Linderung von Schmerzen stehen dabei für sie im Mittelpunkt. Diesem Gedanken folgend gründete sie im September 1999 mit erst 29 Jahren die Hospizgruppe Leinefelde/Worbis als Regionalgruppe innerhalb des Vereins „Internationale Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand“.

Die regionale Hospizgruppe entwickelte sich zu einem gut organisierten Dienst und zu einer Vorreiterin der Hospizbewegung in Thüringen und den neuen Bundesländern. 2008 konnte sie ihr bisheriges ehrenamtliches Engagement schrittweise zu einer Vollzeitbeschäftigung als hauptamtliche Koordinatorin des „Ambulanten Hospiz- und Palliativ-Beratungsdiensts“ ausbauen.

2012 gründete sie schließlich einen Ambulanten Kinder- und Hospizdienst, sie errichtete ein Trauercafé, fokussierte sich auf Einzeltrauerarbeit und die Begleitung von Eltern totgeborener Kinder und gründete eine Kindertrauergruppe mit einem Elterntreffpunkt.

„Manche Themen werden in unserer modernen Gesellschaft oft ausgeklammert. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Tod an sich, besonders aber mit dem Versterben enger Angehöriger. Ich bin daher unglaublich dankbar, dass Menschen wie Constance Hunold dieser Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit nicht aus dem Weg gehen, sondern sich dieser schweren Aufgabe stellen“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Dafür, dass sie Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt würdig begleitet, hat sie meinen allergrößten Respekt. Außerdem ist ihr der Dank all jener Familien sicher, deren Angehörigen sie ein Lebensende in Würde ermöglicht hat.“

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Hannah Abigail Kruse aus Gera wird mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihr vielfältiges Engagement für die Belange von trans* und queeren Menschen gewürdigt.

Hannah Abigail Kruse hat sich Zeit ihres Lebens ehrenamtlich dafür eingesetzt, dass die Themen Trans*Identität und Vielfalt der Lebensweisen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, und dass Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden, Unterstützung erfahren.

Sie engagiert sich in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, entwickelt Handreichungen und Leitfäden für medizinisches Personal, verfasst Artikel zum Thema Trans*Identität. Sie vermittelte ihr Wissen in Weiterbildungsangeboten für das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrerplanentwicklung und Medien (ThILLM) oder in unzähligen Vorträgen, etwa am SRH-Klinikum Gera, beim Verband der medizinischen Fachberufe in Thüringen und Sachsen-Anhalt, an Schulen, in Kirchen und Hochschulen sowie in zahlreichen weiteren Zusammenhängen.

Ihr außerordentliches Engagement zeigt sich darüber hinaus auch in der Etablierung eines Queer-Treffs für LSBTIQ*-Menschen und in der Vorbereitung des Christopher-Street-Days in Gera. Im Jahr 2017 wurde Sie dafür bereits mit dem „1. Queeren Engagementpreis Thüringen“ des QueerWeg-Vereins ausgezeichnet.

„Ich danke und gratuliere ausdrücklich Hannah Abigail Kruse für ihr ehrenamtliches Engagement. Die gelebte Vielfalt sexueller Orientierungen, geschlechtlicher Identitäten und individueller Lebensentwürfe zu akzeptieren und zu respektieren, ist in meinen Augen elementar für eine Gesellschaft, die sich als modern und weltoffen versteht“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Auch hier in Thüringen erleben Menschen täglich Diskriminierung und werden angefeindet, weil ihre Lebensweise angeblich nicht einer gesellschaftlichen Norm entspricht. Damit sich an diesen Verhältnissen grundlegend etwas ändert, bedarf es Menschen wie Hannah Abigail Kruse.“

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Petra Reinhardt aus Suhl engagiert sich seit Jahrzehnten bei der Verkehrswachtarbeit und hier besonders bei der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr. Dafür wird sie mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Petra Reinhardt hat seit 1990 einen maßgeblichen Anteil an der Entwicklung einer tragfähigen Struktur für den Verein der Verkehrswacht und konnte zahlreiche Mitglieder für die Vereinsarbeit gewinnen. Präventionsmaßnahmen zur Verkehrssicherheit und -erziehung waren für sie bereits während ihrer beruflichen Tätigkeit als Polizeibeamtin zentrale Anliegen. Ihre fachliche Kompetenz und ihr unermüdlicher Einsatz für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gingen in ihrem ehrenamtlichen Engagement eine perfekte Verbindung ein.

Es war ihr immer ein Anliegen, neue Formate der Verkehrssicherheitsarbeit in der Region zu etablieren, wie etwa die Verkehrssicherheitstage für Senioren und insbesondere die Aktionstage für Schulanfänger. Auch die Maskottchen „Ampelinchen“ und der „Verkehrskasper“ gehen auf ihre Ideen zurück.

Petra Reinhardt organisiert seit über 22 Jahren die Verkehrssicherheitstage im Stadtzentrum von Suhl und vermittelt ihre Erkenntnisse aus der Verkehrspädagogik in Seminaren an Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer. Ihre Erfahrungen in der Vereinsarbeit und ihre Kompetenz in der Umsetzung von Projekten zur Verkehrsprävention sind thüringenweit sehr gefragt. In Fortbildungen für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anderer Verkehrswachten gibt sie dieses Wissen gern weiter, berät und unterstützt.

„Wenn man auf Volksfesten und Aktionstagen im ganzen Land ein Banner mit einem grünen Kreuz auf weißem Grund entdeckt, dann ist klar: Hier wird wieder einmal daran gearbeitet, dass es im Straßenverkehr bald noch sicherer zugeht. Dann sind nämlich die freiwilligen Angehörigen der Verkehrswacht zur Stelle, die mit ihren regelmäßigen Aktionen und Trainings auf alltägliche Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Ich freue mich daher, heute mit Petra Reinhardt ein besonders verdientes Mitglied einer Thüringer Verkehrswacht ehren zu dürfen. Ihr Einsatz darf mit Fug und Recht als eine Lebensaufgabe bezeichnet werden.“

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Karsten Schmidt aus Ichtershausen wird für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement im Fanfarenzug Ichtershausen und seine Verdienste um das Turnerspielmannswesen in Thüringen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.                      

Karsten Schmidt trat bereits im Alter von neun Jahren in den Fanfarenzug Ichtershausen ein, wo er dank seines Talents schnell bei den „Großen“, den Oberstimmen, mitspielte.

Bereits in den 1980er Jahren unterstützte er die Vereinsführung, indem er Proben leitete, die Besetzung für Auftritte wie Festumzüge, Jubiläen und Hochzeiten sicherstellte sowie Trainingslager mitorganisierte und tatkräftig bei deren Durchführung unterstützte.

2014 wurde Karsten Schmidt mit der „Christian-Gotthilf-Salzmann-Ehrenplakette“ des Thüringer Turnverbandes geehrt. Auch dank seiner intensiven Arbeit im Verein und in der Öffentlichkeit konnte der Fanfarenzug im Jahr 2018 sein 65-jähriges Bestehen feiern. Im Jahr 2020 beging Karsten Schmidt schließlich sein persönliches 50. Jubiläum als Vereinsmitglied.

Karsten Schmidt ist ein Vorbild für Generationen von Kindern und Jugendlichen im Ort, im Verein und darüber hinaus. Er kümmert sich aktiv um die Nachwuchsförderung und verbindet Thüringer Spielmannszüge über die Landesgrenzen hinweg. Kinder und Jugendliche kommen hier in ihrer Freizeit mit Noten und Instrumenten in Berührung und können bei Auftritten ihr Talent unter Beweis stellen.

„Gemeinsam zu musizieren, macht glücklich und erfüllt das Bedürfnis des sozialen Wesens Mensch nach Gemeinschaft und Zusammenhalt“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Dafür, dass Karsten Schmidt als Leiter des Fanfarenzugs Ichtershausen vielen Menschen jahrzehntelang ein ganz besonderes Gemeinschaftserlebnis ermöglicht hat, überreiche ich ihm heute die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.“

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Andreas West aus Westhausen wird die Verdienstmedaille am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine über 16-jährige Tätigkeit als Sprengmeister – für die Sicherheit und das Wohl der Menschen in Thüringens und darüber hinaus überreicht.

Wenn irgendwo in Thüringen eine Bombe gefunden wird, ist Andreas West zur Stelle. Denn auch heute, über 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, werden in Thüringen noch alte Fliegerbomben, nicht detonierte Sprengsätze und Munition gefunden. Im Schnitt sind das mehr als 100 Tonnen Kampfmittel im Jahr, für deren fachmännische Beseitigung mehrere Hunderttausend Euro ausgegeben werden.

Wie viele Bomben und Granaten Andreas West als leitender Sprengmeister in seinem Berufsleben entschärft hat, lässt sich nicht genau ermitteln. Bei seinen unzähligen Einsätzen darf sich jedoch niemals Routine einstellen. Auch Angst wäre bei dieser Arbeit ein schlechter Ratgeber. Eine gehörige Portion Respekt sowie eine akribische Vorbereitung vor jeder einzelnen Aufgabe gehören jedoch dazu.

Für große öffentliche Aufmerksamkeit sorgte 2020 die Entschärfung von Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg in Nordhausen. Mitten im Zentrum, in unmittelbarer Nähe zum Theater, wurden die Blindgänger gefunden, tausende Einwohnerinnen und Einwohner wurden evakuiert.

Zum Dank für seinen gefährlichen Einsatz zum Erhalt des Theaters wurde Andreas West im September 2020 mit dem „Alternativen Theaterpreis“ der Stadt Nordhausen geehrt.

„Andreas West trägt mit seiner lebensgefährlichen Arbeit Verantwortung für das Wohl der Menschen in weiten Teilen Thüringens und darüber hinaus. Seine Tätigkeit ist für ihn selbst immer mit einem äußerst hohen Risiko verbunden“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Er setzt seine Gesundheit und sein Leben ein, um andere Menschen und Güter vor Schaden zu bewahren. Das ist aller Ehren wert und soll daher angemessen gewürdigt werden.“

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Anja Zachow aus Erfurt wird für ihren außerordentlichen ehrenamtlichen Einsatz für die Förderung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen, der generationenübergreifenden gesellschaftlichen Teilhabe und damit für die Stärkung der demokratischen Kultur mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Anja Zachow ist eine Herzblut-Sozialdemokratin, die sich seit vielen Jahren aus Überzeugung ehrenamtlich auf Kreis- und Landesebene engagiert.

Ein Schwerpunkt ihres ehrenamtlichen Wirkens liegt beim Verband der „Naturfreunde“. So haben unter anderem die bundesweit beachteten und in Land und Bund erfolgreich umgesetzten „Kindergipfel“ in Anja Zachow ihren Ursprung.

Unter ihrem Vorsitz entwickelte der Verband zahlreiche neue Veranstaltungsformate und Projekte zur Stärkung demokratischer Teilhabe, unterstützte die Gründung neuer Ortsgruppen gerade im strukturschwachen Raum und verzeichnet stetig wachsende Mitgliedszahlen. Anja Zachow ist darüber hinaus Mitglied im Bundesausschuss der Naturfreunde und gehört der Leitung der Ehrenamtsakademie, die die Qualifikation ehrenamtlicher Naturfreunde für eine moderne und teilhabeorientierte Vereinsarbeit zum Ziel hat, an.

„Natur und Umwelt sind ebenso schützenswert wie unsere demokratisch verfasste Gesellschaft. Für den Erhalt von beidem setzt sich Anja Zachow seit Jahrzehnten unermüdlich auf den verschiedensten Wegen ein“, so Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Für ihren bemerkenswerten ehrenamtlichen Einsatz hin zu mehr Partizipation von Kindern und Jugendlichen, zur Stärkung der demokratischen Kultur sowie der generationenübergreifenden gesellschaftlichen Teilhabe wird ihr mit Fug und Recht das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.“

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