Gemeinsame Übergabe von Autorenarbeitsstipendien und Thüringer Literaturstipendium „Harald Gerlach“

61/2018 Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Hoff: „Stipendien sind passgenaue Formen, junge Kreative in besonderer Weise zu fördern“. In gewohnter Weise vergibt die Thüringer Staatskanzlei in Anerkennung für die Literaturförderung alljährlich Autorenstipendien und das Literaturstipendium „Harald Gerlach“. Erstmals werden die Auszeichnungen der Literaturstipendien am 17. April 2018, um 18 Uhr, in einer gemeinsamen Veranstaltung durch den Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, vergeben. Der Minister sagt vorab:

„Kunst und Kreativität müssen sich jenseits von Verwertungsinteressen entwickeln können. Staatliche Stipendienprogramme für Künstlerinnen und Künstler geben diese erforderlichen Freiräume und drücken gleichzeitig Wertschätzung gegenüber künstlerischer Arbeit aus.“

Die Ausschreibung von Stipendien sei eine passgenaue Form, junge Kreative in besonderer Weise zu fördern. Mit Stipendien ermutige man sie, Neues zu wagen oder lang gehegte Ideen umzusetzen.

„Ein Stipendium soll Künstlerinnen und Künstler darin bestärken, nicht Konformität zu suchen, sondern Widerspruch gegen die Unvollkommenheit in dieser Welt zu erheben und zugleich alternative Realitäten zu kreieren“, so der Minister weiter.

Die diesjährigen Autorenstipendiaten sind Verena Zeltner und Hubert Schirneck.

Die Autorenarbeitsstipendien sind Förderstipendien des Landes, die Thüringer Autorinnen und Autoren ermöglichen sollen, über einen begrenzten Zeitraum intensiv an einem Vorhaben zu arbeiten. Sie werden über eine Förderdauer von zwei bis zu sechs Monaten und in Höhe von monatlich bis zu 850 € vergeben.

Die Jurybegründungen für die Autorenarbeitsstipendien 2018 lauten:

Eine viermonatige Förderung erhält die Schriftstellerin Verena Zeltner für die Arbeit an ihrem Jugendbuch „299 Tage“, in dem sie sich mit dem Thema „Sprache im digitalen Zeitalter“ auseinandersetzt. Verena Zeltner plant, ein Jugendbuch zu schreiben, in dem ein Mädchen nach einer Operation ihre Stimme verliert und sich im Umfeld von Freunden, Schule und Elternhaus 299 Tage die Frage stellt: „Wie geht das überhaupt? Leben ohne zu sprechen?“ Die Autorin überzeugte die Jury mit ihrem Exposé und ihrer Arbeitsprobe von ihrem Konzept, in dem es darum geht, dass Tagebuch, Twitter und Whats-App die direkte zwischenmenschliche Kommunikation nicht ersetzen können.

Eine zweimonatige Förderung erhält der Schriftsteller Hubert Schirneck für seine Idee, einen literarischen Stadtführer in der Form einer „Graphic Novel“ aus der Sicht von Kindern zu schreiben. In seinem Vorhaben „Johann und Joelle“ unternimmt der elfjährige Johann Wolfgang Goethe im Schlaf eine Zeitreise in das Weimar der Gegenwart, wo er der gleichaltrigen Joelle begegnet, die mit ihrem Vater gerade in die Stadt gezogen ist. Gemeinsam erkunden die Kinder die Stadt, wobei spielerisch Reibungen zwischen historischen und gegenwärtigen Perspektiven entstehen.

Das mit 12.000 Euro dotierte einjährige Literaturstipendium „Harald Gerlach“ wird im Jahr 2018 zum zehnten Mal von der Thüringer Staatskanzlei im Rahmen der Autorenförderung vergeben. Es geht dieses Mal an den Thüringer Lyriker Peter Neumann. Peter Neumann studierte Philosophie, Politikwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Jena und Kopenhagen. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Philosophie mit Schwerpunkt auf dem Gebiet des deutschen Idealismus in Jena. Hier promovierte er im vergangen Jahr mit einer Arbeit zum Zeitbegriff bei Schelling und Kant.

In der Jurybegründung für das Literaturstipendium „Harald Gerlach“ heißt es:

„Peter Neumanns Prosacollage ‚Abwerts Fallen‘ ist eine Entdeckung, da es sich dabei um eine so vielversprechende wie besondere Thüringenerzählung handelt, die ganz im Sinne Harald Gerlachs leicht und nahezu spielerisch Essay, Lyrik, Prosa und Recherche verbindet. Ihr gelingt etwas beinahe Unglaubliches, nämlich ausdrücklich von Thüringen zu erzählen, ohne unnötige Heimatbegriffe auffahren oder längst abgetanzte Folklore bemühen zu müssen. Durch eine vermutlich sogar neuartige Perspektivierung, die jedoch auf merkwürdige Weise vertraut wirkt, erinnert sie in ihrer auf die Erkundungen von Wortbedeutungen bezogenen Assoziationslust sowie in ihren erzählten Geistesblitzen ein wenig an die geistreichen Spaziergänge Jean Pauls in Franken.“

Die Tiefe der Prosacollage – vor allem durch ihren Thüringenbezug – sei deutlich zu erkennen, tatsächlich gelinge es dem Autor aber stark nachwirkende Bilder, verbunden mit neuen Blicken auf Thüringen, daraus hervorzuheben.

Für seine Arbeiten als Lyriker gewann der gebürtige Neubrandenburger zahlreiche Auszeichnungen, so 2008 den Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb der Stadt Erfurt sowie 2008 und 2009 den Förderpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen. 2012 erhielt Neumann ein Arbeitsstipendium des Freistaates Thüringen für seine literarischen Arbeiten; 2017 ein Autorenstipendium des Literaturhauses Rostock. Er ist Mitorganisator der unabhängigen Lesereihe "In guter Nachbarschaft" in Erfurt, Jena und Weimar. Peter Neumann lebt in Weimar.

Das Harald-Gerlach-Stipendium war 2009 auf Initiative des Thüringer Literaturpreisträgers Ingo Schulze und der Literarischen Gesellschaft Thüringen ins Leben gerufen worden. Es erinnert an den Schriftsteller Harald Gerlach (1940-2001), der die hiesige Literaturlandschaft mitgeprägt hat. Die bisherigen Stipendiatinnen und Stipendiaten waren Lutz Seiler (2009), Jan Volker Röhnert (2010), Christian Rosenau (2011), Daniela Danz (2012), Bärbel Klässner (2013), Hubert Schirneck (2014), Nancy Hünger (2015), André Schinkel (2016) sowie Ron Winkler (2017).

Mitglieder der Jury waren: Dr. Johanna Bohley, Nancy Hünger, Dr. Gisela Horn, Dr. Martin Straub, Monika Eger und Dr. Jens Kirsten.

Termin: 17. April 2018, 18 Uhr,
Ort: Haus Dacheröden, Anger 37, 99084 Erfurt

 

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