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Medieninformation der Thüringer Staatskanzlei, des Thüringer Landtags und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora „Die Freiheit muss man jeden Tag schützen.“

76. Jahrestags der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora
Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

76. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora

Im Deutschen Nationaltheater Weimar und in der Gedenkstätte Buchenwald wird heute ab 11 Uhr der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora vor 76 Jahren gedacht. Das Gedenken wird live und online in sechs Sprachen übertragen, damit den Überlebenden und ihren Angehörigen auf der ganzen Welt in Zeiten der Pandemie eine Teilnahme möglich ist. Die Rednerinnen und Redner betonen vorab, dass die heutige Bedeutung der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen immer auch darin liege, an die Verantwortung aller Menschen für das Gelingen einer Gesellschaft zu erinnern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird im Nationaltheater die Gedenkrede halten. Die Überlebenden Éva Fahidi-Pusztai (Budapest) und Alex Hacker (Toronto) sendeten bewegende Videobotschaften. Éva Fahidi-Pusztai berichtete: „Mein Leben lang, seit ich entdeckt habe, dass ich nur zu diesem Zweck am Leben geblieben bin, weiß ich, dass ich darüber mein Leben lang reden muss. Reden muss ich vor allem für die Jugendlichen, die keine solchen Erfahrungen gemacht haben. Das wichtigste, was man für die Gesellschaft tun kann, ist, den Hass aus dem gesellschaftlichen Leben zu verbannen“.

Bodo Ramelow, Ministerpräsident des Freistaats Thüringen, wird in seinem Grußwort, mit Blick auf die Gegenwart in Deutschland, deutlich machen: „Wir erleben zunehmend geschichtsrevisionistische Angriffe auf unsere reflexive Geschichtskultur. Forderungen, einen Schlussstrich unter die Untaten des Nationalsozialismus zu ziehen, werden lauter. Diesen darf es nicht geben! Wir müssen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Der Blick auf die NS-`Volksgemeinschaft´ mit ihren verachtenden Ausgrenzungspraktiken und barbarischen Verbrechen zeigt uns, in welcher Gesellschaft wir nicht leben wollen. Völkischen Ideen und Geschichtsrevisionismus müssen wir eine wissenschaftlich begründete Geschichtsauseinandersetzung mit einem klaren humanistischen Kompass entgegensetzen. Das sind wir den Opfern schuldig, das sind wir uns schuldig. Denn die Festigung unserer Demokratie beruht nicht zuletzt auf der Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus.“

Bei der anschließenden Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Buchenwald wird Naftali Fürst in seiner Videobotschaft aus Haifa zu den Gästen sprechen: „Wir, die letzten Überlebenden der Hölle, sind in die Jahre gekommen. Wir überwanden die Hürden des Lebens, und nun stehen wir am Ende unseres Weges. Einige von uns erhobenen Hauptes und mit starkem Geist; viele wiederum leider in einem schwierigen Zustand und mit niedergeschlagenem Geist aufgrund der Schäden, die die Vergangenheit angerichtet hat.“

Birgit Keller, Präsidentin des Thüringer Landtags, wird in ihren Gedenkworten die Bedeutung der Zeitzeugen und ihrer Botschaften betonen: „Die authentischen Erfahrungsberichte, klugen Mahnungen und feinen Freiheitssensoren der Überlebenden prägten und prägen noch heute das demokratische Immunsystem ganzer Generationen. Elie Wiesel hat einst die Hoffnung geäußert, dass jeder, der heute einem Zeugen zuhört, selbst zum Zeugen wird. Es ist nun an uns, all denen die Zeitzeugen hörten und hören, diese Hoffnung und damit gleichzeitig unsere humanistische Pflicht zu erfüllen. Wir alle sind umso mehr gefordert, wenn diese Stimmen verstummt sein werden. Der Schwur von Buchenwald bleibt unser aller
Pflicht. […] Ich habe vorhin am Nationaltheater ein Zitat eines Überlebenden dieses Konzentrationslagers aus der ‚Verschwindenden Wand‘ gezogen. Es stammt von Jean Lorge und lautet: ‘Die Freiheit muss man jeden Tag schützen.‘ Dieses Zitat drückt aus, worum uns es allen immer wieder gehen muss. Es braucht unser aller Engagement um die Freiheit in
unserer Gesellschaft zu verteidigen und zu bewahren. Die Freiheit von Hass und Rassismus. Die Freiheit von Gewalt, Unterdrückung und Mord. Die Freiheit von Antisemitismus. Wir dürfen nicht zulassen, dass Nazis, Hetzer und Verschwörungstheoretiker denken, dass die schweigende Mehrheit hinter ihnen steht. Wir dürfen nicht es unwidersprochen lassen, wenn diese Menschen unsere Demokratie verächtlich machen. Und wenn diese Menschen sich anmaßen, Hass im Namen des „Volkes“ zu verbreiten.“


Alle Reden sind in ganzer Länge im Online-Angebot der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zum 76. Jahrestag unter www.liberation.buchenwald.de auch im Nachhinein zu erleben.

Die Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora findet am 12. April 2021, 11Uhr, statt und wird ebenfalls live übertragen: liberation.dora.de. Die Gedenkrede vor dem ehemaligen Krematorium wird Birgit Keller, Präsidentin des Thüringer Landtags, halten.

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