Kulturminister Hoff zum Abschluss der Ausstellung „StipVisite“ in Erfurt – Übergabe der Urkunden für Landesstipendiaten 2020

77/2020
Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Die Präsentation der Arbeitsergebnisse der Stipendiaten für Bildende Kunst Thüringen aus dem Jahr 2019 ist Anlass für die Abschlussveranstaltung der Ausstellung „StipVisite“. Seit 2014 werden die Ausstellungen der Thüringer Landesstipendiaten in der Galerie Waidspeicher in Erfurt gezeigt – zum ersten Mal ersetzt der feierliche Abschluss aus aktuellem Anlass die bereits im Frühjahr geplante Eröffnung.

Thüringens Kulturminister, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, der zur Finissage im geladenen Kreis am Donnerstag, 9. Juli, um 18 Uhr im Kulturhof zum Güldenen Krönbacken in Erfurt ein Grußwort sprechen wird, sagt vorab: „Ich freue mich sehr, den Abschluss der Ausstellung der Landesstipendiaten im Bereich Bildende Kunst des vergangenen Jahres zu erleben und zugleich den beiden neuen Stipendiatinnen für 2020 zu gratulieren. Mitten in einer besonderen Zeit ist auch diese Veranstaltung eine besondere: das Stipendiatenprogramm lebt von der Begegnung mit der Öffentlichkeit.Gegenwartskunst braucht den Dialog mit dem kunstinteressierten Publikum. Genau diese Form des Austauschs war uns in den vergangen Monaten genommen. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir diese Ausstellung jetzt noch sehen und erleben können. Die Förderung von Kunst und Kultur wird durch die Landesregierung auch weiterhin zuverlässig und langlebig gestaltet – ganz egal unter welchen Bedingungen.“

Bei der Ausstellung „StipVisite“ haben die beiden Kunststipendiaten des vergangenen Jahres Gelegenheit, ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Ausstellung der Künstlerin Cosima Göpfert zeigt mit dem Projekt „Die Verschiebung der Wahrnehmung“ Arbeiten, die sich dem Porzellan als Material widmen. Ihre bisherigen Werke, die durch die serielle Aneinanderreihung von in den Raum hineingreifenden und in ihrer Form wiederkehrenden Porzellanelementen bestechen, sind allesamt handgefertigt. Unter dem Titel „Hybride zwischen Malerei und Objekt“ entwickelt der Künstler Stefan Schiek Kompositionen für seine Gemälde anhand von Zeichnungen mit Wasserfarbe auf Papier, die in Malereien, Drucken sowie Skulpturen ihren Abschluss finden. 

Die Finissage bildet zugleich den Rahmen für die Übergabe der Urkunden an die neuen Kunststipendiatinnen. In diesem Jahr erhalten Masami Saito und Kristin Wenzel die Auszeichnungen.

 

Aus der Jurybegründung über die Künstlerinnen:

Masami Saito (Stipendiatin der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen), geboren 1984in Fukushima, Japan, absolvierte von 2016 bis 2019 ein Diplomstudium Freie Kunst an der Bauhaus Universität Weimar und lebt und arbeitet in Erfurt. Als Künstlerin verbindet sie traditionell-japanische Materialien und Techniken – wie Reispapier, Tusche, Drucktechnik, Tuschepinselzeichnung und Papiermaché – mit modernen künstlerischen Sichtweisen und Techniken. Ihre Diplomarbeit „Drifting Organs“ überzeugte als poetisch-assoziative Rauminstallation, in der unterschiedliche selbstgefertigte Objekte miteinander in Beziehung gesetzt werden, nicht rational, sondern intuitiv und subjektiv. So kann eine besondere Gestimmtheit des Objektensembles im Raum entstehen, die sich den Betrachtern mitteilt. Zugleich ist jedes einzelne Objekt mit großer Sorgfalt bis in kleine Details geformt und bearbeitet.. „Drifting Organs“ kann auch als eine Reaktion der in Fukushima geborenen Künstlerin auf die Folgen des Tsunamis und der Reaktorkatastrophe 2011 gelesen werden.

Geboren 1983 in Gotha, absolvierte Kristin Wenzel (Stipendiatin der Kulturförderung der SV SparkassenVersicherung) als ausgebildete Holzbildhauerin ein Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Folgen der politischen Wende 1989/90 waren für Kristin Wenzel Ausgangspunkt ihres künstlerischen Interesses an der Übersetzung von gesellschaftlichen Umbrüchen und Veränderungen in architektonische Situationen. Es sind vergessene oder im Verschwinden begriffene Orte, die Kristin Wenzel auf ihren Streifzügen durch den städtischen Raum entdeckt: Vitrinen, Kioske, Litfaßsäulen, Schaukästen, Straßenlaternen oder Springbrunnen. Kristin Wenzel interpretiert diese Situationen, indem sie Maßstäbe verändert, einzelne architektonische Elemente isoliert oder in einen anderen räumlichen Kontext überführt. Darüber wird das im Alltag Übersehene plötzlich wieder sichtbar. Gefunden im öffentlichen Raum, werden die Sujets häufig in Form ortspezifischer Installationen temporär in diesen zurückgetragen: als verkleinertes Modell, etwa eines Pavillons oder Kiosks, in ebendiesem selbst präsentiert oder aber in Schaufenstern oder Schaukästen als barrierefrei zu jeder Zeit einsehbare Installationen.

Die Jahresstipendien des Freistaats  sind mit je 10.000 Euro dotiert. Ziel der Stipendienvergabe ist es, die bisherigen künstlerischen Leistungen zu würdigen sowie die Künstlerinnen und Künstler darin zu ermutigen, neue Ausdrucksformen oder Gestaltungstechniken zu erproben.

Die Landesregierung vergibt seit 1997 in der Sparte Bildende Kunst Arbeitsstipendien an Künstlerinnen und Künstler, seit 2019 übernimmt die Kulturstiftung des Freistaates Thüringen diese Aufgabe. Seit 2003 unterstützt die Kulturförderung der Sparkassenversicherung das jährliche Stipendienprogramm.

Die Stipendiaten wurden von einer fünfköpfigen Fachjury in Kooperation mit der SV SparkassenVersicherung ausgewählt.

Termin: Donnerstag, 9. Juli 2020, 18 Uhr
Ort: 99084 Erfurt, Michaelisstraße 10, Galerie Waidspeicher, Kulturhof zum Güldenen Krönbacken

Die Ausstellungen „Die Verschiebung der Wahrnehmung“ von Cosima Göpfert sowie „Hybride zwischen Malerei und Objekt“ von Stefan Schiek wurden verlängert und sind noch bis zum 12. Juli 2020 zu sehen.

Weitere Informationen zur Schau unter: https://kunstmuseen.erfurt.de/km/de/service/aktuelles/ausstellungen/2020/135042.html

Ein digitaler Rundgang durch die Ausstellung in 3D finden Sie unter diesem Link: https://rooom.com/360-view/crrQMgP3zwg  Die Aufnahmen wurden realisiert im Rahmen des EFRE-geförderten Innovationsprojektes cultur3D (Universität Jena/Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, cultur3d.de), in technischer Kooperation mit der Rooom AG (rooom.com).

Der Freistaat Thüringen in den sozialen Netzwerken: