Kulturnadel des Freistaats Thüringen 2019 Hoff: „Preisträgerinnen und Preisträgern liegt soziale Dimension der Kultur am Herzen“

175/2019
Erstellt von Thüringer Staatskanzlei

Chris Albrecht aus Gotha, Rosemarie Frey aus Dornheim im Ilm-Kreis, Detlef Fuhlrott, aus dem Wartburgkreis, Prof. Dr. Helen Geyer aus Eisenach, Karl Heinz Großmann und Peter Wicklein aus dem Landkreis Sonneberg, Norbert Klose aus dem Saale-Holzland-Kreis, Peter Kuhlbrodt aus Nordhausen sowie Kristin Pätz und Christiane Schill aus dem Saale-Orla-Kreis sind die zehn Preisträgerinnen und Preisträger der diesjährigen Kulturnadel des Freistaats Thüringen.

Zum sechsten Mal in Folge vergibt die Landesregierung die „Kulturnadel des Freistaats Thüringen“ und ehrt damit Persönlichkeiten für ihr großes ehrenamtliches Engagement im Kulturbereich.

Die Kulturnadel wird bei einer feierlichen Veranstaltung am 22. Oktober im Haus Dacheröden in Erfurt durch Minister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff vergeben.

Der für Kultur zuständigen Minister ehrt mit der Kulturnadel 2019 Persönlichkeiten, die sich durch ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement im Kulturbereich in Thüringen ausgezeichnet haben und erklärt vorab: „Was Ehrenamtliche in der Kultur alles zu leisten vermögen, sehen wir an den Preisträgerinnen und Preisträgern der Kulturnadel 2019: Mich beeindruckt ihr außerordentlich umfassendes Verständnis von Kultur. Für sie erschöpfen sich Kultur und kulturelle Bildung nicht im Kanon der sogenannten Hochkultur. Die Preisträgerinnen und Preisträger pflegen einen weiten Begriff von Kultur, der alle Sparten umfasst – von der Brauchtumspflege bis zur modernen Kunst. Genreübergreifend liegt ihnen die soziale Dimension der Kultur am Herzen und machen damit ‚Kultur für alle‘ und tun damit genau das, was den Kern demokratischer Kulturpolitik bildet. Alle sollen teilhaben können! Auch diejenigen, die von ihrem sozialen Hintergrund her Zugangsbarrieren vor den kulturellen Angeboten überwinden müssen. Dafür gilt ihnen mein großer Dank.“

Seit dem vergangen Jahr werden die zehn „Kulturnadeln des Freistaats Thüringen“ mit jeweils 750 Euro dotiert vergeben. Vorschlagsberechtigt waren kulturelle Vereine, Verbände, Institutionen und Kommunen in Thüringen. Mit ihren Anregungen konnten sich jede Bürgerin, jeder Bürger an die Vorschlagsberechtigten wenden.

Termin: Dienstag, 22. Oktober 2018, 17 Uhr
Ort: Haus Dacheröden, Anger 37 in 99084 Erfurt

Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen.

Professor Dr. Helen Geyer
Die an der Franz Liszt Musikhochschule Weimar lehrende Musikwissenschaftlerin Frau Prof. Helen Geyer arbeitet die Kultur- und Musikgeschichte der Bach- und Telemannzeit mit ihrem hohen Sachverstand unermüdlich auf und macht sie weit über die Grenzen Thüringens und Deutschlands erlebbar. Auch in ihrer wissenschaftlichen Lehre hat sie sich die Thüringer Musik und Kultur des Barock sowie auch der Klassik zum hauptsächlichen Gegenstand gemacht. Sie ist Projektleiterin der „Cherubini“-Gesamtausgabe. Als stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Franz List Musikhochschule engagiert sie sich für den Fortschritt in der Integration, Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit. Für das Thüringer Museum Eisenach konnte Frau Professor Geyer das Forschungsprojekt „Wagner-Sammlung in Eisenach“ mit einem Volumen von 450.000 Euro bei der VW-Stiftung erfolgreich beantragen und durchführen. Die daraus resultierende Datenbank über die umfassende Sammlung von Musikalien und Musikliteratur zum Großthema Richard Wagner wird in den Besitz der Stadt Eisenach übergehen. Damit wird sich Eisenach als ein Forschungszentrum des Wagnerismus und der Bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts in der Reuter-Villa des Thüringer Museums international ausweisen und seinen Status als Musikstadt in Thüringen einmal mehr unterstreichen können. Die vielgefragte Wissenschaftlerin kuratiert zudem die Festivals „Güldener Herbst“, „Telemann-Tage“ und „Adjuvanten-Tage“ in Thüringen. Seit 1995 lehrt Frau Geyer an der Hochschule für Musik Weimar, seit 1997 als ordentliche Professorin für Musikwissenschaft. Sie war Gründungsvorsitzende der „Academica Musicalis Thuringiae“, seit 2008 ist Frau Prof. Geyer dort Vorstandsmitglied. Von 2010 bis 2013 war sie Präsidiumsmitglied der Mitteldeutschen Barockmusik. 2015 bekam sie das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Für die Zeit nach ihrer Emeritierung wird sich Frau Geyer weiter der Förderung und Vermittlung der Musik- und Kulturgeschichte Eisenachs und Thüringens vertiefend widmen. 

Frau Professor Dr. Helen Geyer erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für ihr langjähriges Engagement in der Förderung und Vermittlung der Musik- und Kulturgeschichte Eisenachs und Thüringens. Vorgeschlagen durch Frau Katja Wolf, Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach

Peter Wicklein
"Thüringen ist nicht nur Herbert Roth, Bratwürste und Fichtenwälder, sondern es gibt am Ende des Thüringer Waldes auch einen kleinen Leuchtturm in Sachen Jazz", sagt Peter Wicklein. Ab 1950 absolvierte der gebürtige Sonneberger ein Musikstudium in Weimar. Nach seinem Abschluss war er in verschiedenen Orchestern tätig und spielte als erster Geiger am damaligen Sonnberger Kreiskulturorchester bis zu dessen Auflösung. Ab 1965 bis 1990 übernahm Herr Wicklein die Funktion des künstlerischen Leiters des neu gegründeten Jugendensembles der Sonneberger Spielwarenindustrie und bildete sich währenddessen im Rahmen eines Studiums an der Zentralen Schule für kulturelle Aufklärung in Meißen-Siebeneichen sowie im Privatstudium beim Chefdirigenten des Rundfunk-Kinderchores Berlin, Nationalpreisträger Herrn Prof. Manfred Roost, weiter. Unter seiner Leitung wurde das Jugendensemble neben vielen künstlerischen Preisen fünfmal mit der Goldmedaille der Arbeiterfestspiele ausgezeichnet. Im Zusammenhang damit wurden viele Auftragswerke mit dem Bezugspunkt Spielzeug/Kind geschaffen. Die Kompositionen von Nationalpreisträger Kurt Schwän und Texte von National-preisträgerin Gisela Stein-Eckert werden teilweise heute noch in der Kinderliteratur aufgeführt. 1978 wurde Herr Wicklein mit dem Max-Reger-Kunstpreis ausgezeichnet. Ein Jahr später leitete er die Aufführung der Chorfantasie von Ludwig von Beethoven mit über 400 Sängern und der Suhler Philharmonie. Darüber hinaus ist Herr Wicklein seit über 40 Jahren Bandleader der Sonnberger Jazzoptimisten. Seit 1986 werden unter seiner Leitung jährlich die Internationalen Sonneberger Jazztage ausgerichtet, die seine Heimat über Thüringen hinaus bekannt gemacht haben. "Aus dem Embryo von 1986 hat sich ein anerkanntes Festival entwickelt", sagt Herr Wicklein - nicht ohne Stolz. Seit 1992 ist Herr Wicklein künstlerischer Leiter der Sonnberger Jazzfreunde e.V., viele Jahre war er auch Vorsitzender des Vereins. Ebenfalls seit 1992 ist Herr Wicklein als ehrenamtliches Mitglied der Arbeitsgruppe der Landesarbeits-gemeinschaft Jazz in Thüringen und der Arbeitsgemeinschaft Jazzmeile tätig und hat sich in diesen Funktionen allerhöchste Verdienste erworben.

Herr Peter Wicklein erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für sein langjähriges Engagement seines Heimatlandkreises Sonneberg im Kulturbereich. Vorgeschlagen durch Herrn Hans-Peter Schmitz, Landrat des Landkreises Sonneberg

Karl-Heinz Großmann
Herr Großmann wurde in Mecklenburg geboren und wuchs in Jagdshof bei Sonneberg auf. Nach seinem Studium war er 44 Jahre lang Lehrer für Deutsche Sprache und Literatur an polytechnischen Oberschulen und am Gymnasium, zuletzt auch zehn Jahre lang als Deutsch-Fachberater. 1979 war er einer der Mitbegründer des Arbeitskreises Mundart Südthüringen. Seit 38 Jahren ist er ehrenamtlich im Verein tätig, 36 davon als Vorsitzender. Einen Verein über Jahrzehnte auf hohem Niveau zu halten, zeugt von großem Engagement. Seit der Gründung engagiert er sich für die Pflege und den Erhalt der itzgründischen Mundart und rettete den Arbeitskreis zusammen mit den Mitgliedern über die Wendezeit. In den fast 40 Jahren des Bestehens des Arbeitskreises Mundart hat Herr Großmann zahlreiche Anthologien mit Geschichten und Gedichten der Mitglieder zusammengestellt und war gleichzeitig der Herausgeber. Den Mitgliedern steht er mit Rat und Tat zur Seite, wenn es gilt, ihre geschriebenen Mundartgeschichten zu begutachten. Die Wertschätzung, die der Verein in der Öffentlichkeit genießt, ist nicht zuletzt sein Verdienst. Neben seinen Geschichten und Gedichten im itzgründischen Dialekt, hat Herr Großmann auch zahlreiche Krimis, die natürlich in seiner Heimat spielen, herausgebracht. Nicht zu vergessen eine Publikation zum 675jährigen Bestehen der Gemeinde Jagdshof. Er ist Mitglied im Schriftstellerverband Thüringen, als auch im Thüringer Literaturrat e.V.. Der Jahresarbeitsplan des Arbeitskreises ist jedes Jahr mit vielen Terminen für Mundartlesungen gefüllt. An diesen Auftritten beteiligt sich Herr Großmann heute noch. Auch nach der Abgabe des Vorsitzes nach 36 Jahren, im 75. Lebensjahr, ist seine Aktivität im Verein ungebrochen. 2017 hat Herr Großmann ein Wörterbuch herausgebracht, in dem er die Vielfalt der fränkisch-itzgründischen Sprache aufzeigt und eine Vielzahl an fast vergessenen Wörtern und Aussprüchen aufgeschrieben hat, um diese nicht verloren gehen zu lassen.

Herr Karl-Heinz Großmann erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für sein langjähriges Engagement im Arbeitskreis Mundart Südthüringen e.V. Vorgeschlagen durch Frau Christine Zitzmann, ehemals Landrätin des Landkreises Sonneberg

Rosemarie Frey
Die Kirche St. Bartholomäus in Dornheim, in der Johann Sebastian Bach am 17. Oktober 1707 seine erste Frau Maria Barbara Bach geheiratet hat, war 1986 in einem so schlechten baulichen Zustand, dass sie geschlossen werden musste. Ein Rundschreiben des Gemeinderates an alle Dorfbewohner mit der Bitte um Mithilfe führte 1996 zur Gründung des Vereins „Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach in Dornheim e.V.“. Frau Frey war Gründungsmitglied und seit Beginn im Vorstand für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Gleichzeitig verfolgte sie das Ziel, Bachs Traukirche zu einer Konzertkirche zu machen, in der auch seine Musik zu hören sein sollte. Während der Rekonstruktion der Kirche wurde Baustellenkonzerte organisiert, die als Benefizveranstaltungen eine große Hilfe für den Verein waren. Frau Frey knüpfte Kontakte zu den Organisatoren des MDR-Musiksommers, des Thüringer Orgelsommers, des Arnstädter Bachfestivals und der Thüringer Bachwochen. Der Freundeskreis bietet nun seit mehr als 20 Jahren ein gut besuchtes Veranstaltungsprogramm. Auch renommierte Künstler betonen, wie gern sie zum Musizieren nach Dornheim kommen. Als die Möglichkeit angeboten wurde, eine Heimatstube zu schaffen, setzte sich Frau Frey mit viel Engagement dafür ein. Mit ihrer Hilfe entstand eine umfangreiche Tafelausstellung über das Leben von Crotus Rubianus, dem Verfasser der „Dunkelmännerbriefe“ und langjährigen Freund Luthers. Unvergessen bei den Dornheimer Bürgern sind die Feierlichkeiten anlässlich der 300. Wiederkehr der Bachschen Hochzeit, die auf ihren Ideen ruhten. Frau Frey ist maßgeblich an der Herausgabe der „Dornheimer Heimatblätter“ beteiligt, ebenso an den Vereinschriften „Dornheimer Geschichte und Geschichten“, „Dornheimer Lesebuch“ und „Dornheim einst und jetzt“. Mit ihrer Teilnahme an den „Thüringen-Tagen“ oder der 1300 Jahrfeier der Stadt Arnstadt zeigte sie ihre Verbundenheit zur Heimat. Sie unterstütze auch die Fernsehaufzeichnungen des MDR über Dornheim in „Unser Dorf hat Wochenende“ und „In Thüringen unterwegs“.

Frau Rosemarie Frey erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für ihr langjähriges Engagement beim Wiederaufbau von Bachs Traukirche. Vorgeschlagen durch Herrn Siegfried Neumann, ehemals Vorsitzender des Vereins „Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von Johann Sebastian Bach in Dornheim e.V.“

Kristin Pätz
„Mit zwölf Jahren habe ich das erste Mal im Fernsehen klassisches Ballett gesehen. Ich war fasziniert von der künstlerischen Eleganz, der schwebenden Leichtigkeit und der Disziplin“, erinnert sich Kristin Pätz. Der Tanz ließ die heutige Bankkauffrau nicht mehr los. Die nächste Ballettschule war leider unerreichbar. Im Alter von 25 Jahren fuhr sie über die jetzt offene Grenze nach Hof, nahm Ballettunterricht und fasste den Plan, Kultur aufs Land zu holen. Schon auf den ersten Blick war im Herbst 2014 bei der Eröffnung in Göttengrün, einem Ortsteil von Gefell, erkennbar, dass etwas Besonderes in dem kleinen Ort entstanden ist. Eine ehemalig landwirtschaftlich genutzte Scheune wurde zur Oberland-Ballettschule „La Ballerina“ umfunktioniert. Die 2 ha große Brachfläche wurde zum Naturpark mit Tanzbühne. Unter der Leitung von Frau Pätz hat sich die Tanzschule mit ihrer hochwertigen Tanzausbildung für 3 bis 60 Jährige zu einem kulturellen Bestandteil im Landkreis und über die regionalen Grenzen hinaus entwickelt, der nicht mehr wegzudenken ist. Zusammen mit ehrenamtlichen Mitstreitern hat Frau Pätz im ländlich geprägten Raum etwas geschaffen, entwickelt und zukunftsfähig gemacht, was selbst im weiten Umkreis Einmaligkeitscharakter trägt. Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit ist sie unermüdlich aktiv, entwickelt kreative Ideen und achtet auf die Einhaltung hoher Qualitätsmaßstäbe. Eine 10jährige Schülerin aus Klingenthal, die seit 4 Jahren Unterricht erhält, befindet sich aktuell in der Aufnahmeprüfung für die staatliche Palucca Hochschule für Tanz in Dresden – Berufswunsch Tänzerin. Bei Schülern, Eltern und anderen kulturellen Einrichtungen kommt die Arbeit von Frau Pätz gut an. Die Zahl der Auftritte steigt beständig, der Vernetzungsgrad mit anderen regionalen Akteuren wird immer intensiver. Neben der Lehrtätigkeit und regelmäßigen pädagogischen Weiterbildungen zählen auch die Organisation, Buchhaltung, Elternkommunikation, die Auftritte mit Choreografien und Kostümausstattung zu ihrer ehrenamtlichen Arbeit.   

Frau Kristin Pätz erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für ihr langjähriges Engagement im Bereich Tanz-Ballett. Vorgeschlagen durch Herrn Thomas Fügmann, Landrat des Saale-Orla-Kreises

Dr. phil. Peter Kuhlbrodt
Neben seiner Tätigkeit als Lehrer beschäftigt er sich seit Ende der 1960er-Jahre mit der Geschichte der Städte Nordhausen und Ellrich und des Gebietes zwischen Südharz und Hainleite. Spezielle Schwerpunkte waren die Themen „Der Dichter Leopold Friedrich Günther von Goeckingk 1770 bis 1786 in Ellrich“ und „Die freireligiöse Gemeinde Nordhausen seit 1847“. Herr Dr. Kuhlbrodt leitete ein Goeckingk-Kolloquium mit Dr. Golz, Prof. Dr. Steiner u.a. und regte ein Denkmal für den Homerforscher Friedrich August Wolf in dessen Geburtsort Haynrode an. Bis in die 1990er Jahre war er an der Erhaltung der Burg Lohra und der Dorfkapelle sowie ihrer Erforschung beteiligt. Seit 1977 war er Mitherausgeber der „Beiträge aus Stadt und Kreis Nordhausen“, die bis heute weiter erscheinen. Als Ergebnis seiner Goeckingk-Forschungen veröffentlichte er anlässlich des 250. Geburtstages des Dichters mit Hilfe des wissenschaftlichen Vereins und zusammen mit anderen 1998 einen Band mit Aufsätzen. In Ellrich fand auch mit Unterstützung des Schauspielers Rolf Hoppe ein weiteres Goeckingk-Kolloquium statt. Sein Band „Das alte Ellrich. Geschichte einer Südharzstadt“ kann heute als Standardwerk zur Ellricher Geschichte gelten. Auf Bitten der Redaktion der „Germanica Benedictina“ beim Erzbistum Mainz untersuchte Herr Dr. Kuhlbrodt die Geschichte der beiden Nordhäuser Zisterzienser-Frauenklöster. Zwei Beiträge erschienen 2011 im Sammelband „Germania Benedictina IV“ der mitteldeutschen Zisterzienser/innen-Klöster St. Ottilien. Erwähnt werden soll auch der längere Aufsatz über Nordhausen im Ersten Weltkrieg (Sammelband „Deutsch-Französische Partnerstädte erinnern an den Ersten Weltkrieg“) und 2015 die Veröffentlichung über Nordhausen als Reichsstadt im Jahrhundert der Reformation (Schriftenreihe der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung). Seit 2010 war Herr Dr. Kuhlbrodt an der Erarbeitung einer Ausstellungskonzeption für das neugeschichtliche Museum Flohburg beteiligt und kuratierte Ausstellungen wie „Zur Geschichte der Juden in der Reichsstadt Nordhausen“ und „Pleiten, Pech und Glücksfälle in der Nordhäuser Geschichte“. Auch im städtischen Museum Tabakspeicher war er ehrenamtlich als Kurator aktiv.

Herr Dr. phil. Peter Kuhlbrodt  erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für sein langjähriges Engagement für die Stadt und den Landkreis Nordhausen. Vorgeschlagen durch Herrn Kai Buchmann, Oberbürgermeister der Stadt Nordhausen

Christiane Schill
Frau Schill hat sich in Jahrzehnten als eine anerkannte Textilrestauratorin und Textildesignerin ausgewiesen. Ihre Werkstatt betreibt sie seit 1991 in Bad Lobenstein. Sie gewährleistet mit ihrer qualitativ-fachlichen Arbeit, nicht nur den musealen Bestand zu bewahren - viele Museen verweisen auf die komplexen restauratorischen Leistungen von Frau Schill - sie hebt auch die Stadt Bad Lobenstein im Besonderen in die öffentliche Wahrnehmung. Es ist vor allem jedoch das im bürgerschaftlichen/ehrenamtlichen Engagement Geleistete, das hier Anerkennung erfahren soll. In ihrem Atelier veranstaltet Frau Schill seit vielen Jahren öffentliche Lesungen, Konzertabende, Theateraufführungen und Ausstellungen. Darüber hinaus richtet sie für Kunstinteressierte aller Altersgruppen Kurse aus, in denen man sich austauschen und die vielen Arten der Webtechniken kennenlernen kann. Sie handelt frei nach dem Motto „Kunst braucht Nachwuchskünstler und Freunde – der Künstler benötigt Beförderer der Kunst“. Ihr Haus ist offen für Ratsuchende in Fragen der Restaurierung. Die ehrenamtliche Betreuung von Museen und Vereinen liegt ihr am Herzen. Noch lange bevor es dann möglicherweise zu einer Absprache oder Vertragsregelung kommt, ist sie zunächst ehrenamtlich beratend tätig. Alljährlich freuen sich Besucher im September über die „Tage des offenen Ateliers“, die Frau Schill mit hohem Aufwand durchführt. Besonders wichtig ist Frau Schill die Arbeit mit jungen Leuten in Webkursen für Kinder, für Schulpraktika oder freien Kursen. Sie führt auch Praktika zur Berufsausbildung bzw. Semesterpraktika für Studierende zur Vorbereitung auf die Restaurierungsarbeit oder eines Fachholschulbesuches durch. So hat sich über die Jahre ein unbezahlbarer Kontakt zu vielen Schulen und Schülern herausgebildet, der weit über das hinausgeht, was man als Wissensvermittlung bezeichnet. Frau Schill trainiert dabei das Kunstverständnis und das spezifische, visuelle, ganzheitlich wahrnehmbare Denken. Zwangsläufig berät sie viele Jugendliche bei der Gestaltung ihrer Bewerbungsmappen. Viele Studierende berichten ihr dann später, welch umfängliche Kenntnisse sie schon im Vorhinein aus ihren Kursen erhalten haben.   

Frau Christiane Schill erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für ihr langjähriges Engagement als Textilrestauratorin. Vorgeschlagen durch Herrn Thomas Fügmann, Landrat des Saale-Orla-Kreises

Detlef Fuhlrott
Herr Fuhlrott wurde 1955 in Erfurt geboren. 1979 kam er aus beruflichen Gründen nach Ruhla und engagiert sich seit 1990 aktiv in der Folklore-Vereinigung „Alt Ruhla“ e.V. Zunächst war er Tänzer in der Tanzgruppe und wirkte erstmals 1992 bei einem Lustspiel von Otto Böttinger als Spieler mit. Als aktives Mitglied in der Tänzergruppe hat er als 2. Vorsitzender immer die Förderung der Kinder- und Jugendtanzgruppe im Blick und bindet den Nachwuchs des Vereins in die Auftritte und Veranstaltungen ein. Als Spieler bringt er meist in den Rollen von „Zugereisten“ seinen besonderen Witz und Charme auf die Bühne. Über die Folklore-Vereinigung hinaus engagiert sich Herr Fuhlrott für den Erhalt von Thüringer Traditionen. 1994 wurde er in den Vorstand der Thüringer Vereinigung für Volkskunde und Brauchtumspflege e.V. als Jugendwart gewählt. Mit Gründung des Thüringer Landestrachtenverbandes e.V. 1997 wurde Herr Fuhlrott Landesjugendwart und ist heute noch im Vorstand als Landesheimatpfleger tätig. Mit seinem klaren, hilfsbereiten und verbindenden Charakter sorgt er seit zwei Jahrzehnten dafür, dass  „Alt-Ruhla“, aktiv bei den Thüringer Landestrachtenfesten und auch den Bundestrachtenfesten teilnimmt. 1999 brachte er das 4. Thüringer Landestrachtenfest und damit Trachtenfreunde aus ganz Thüringen zu einem großen Festprogramm nach Ruhla. Außerdem war Herr Fuhlrott maßgeblich an der Initiative beteiligt, die zur Aufnahme des Mundarttheaters in das von der Deutschen UNSESCO-Kommission geführte „Immaterielles Kulturerbe- Regionale Vielfalt der Mundarttheater in Deutschland“ führte. Seit über einem Jahrzehnt engagiert sich Herr Fuhlrott für den Erhalt des Orts- und Tabakpfeifenmuseums und die Wahrung der Geschichte von Ruhla. Die Stadt besitzt umfangreiche und einzigartige Akten, Bücher, Bilder und Dokumente, die für die Nachwelt erhalten und digitalisiert werden müssen. Seit 2012 hat er gemeinsam mit dem leider 2016 verstorbenen Ortschronisten Lothar Köllner  die notwendigen Arbeiten zur Sichtung und Ordnung des Archivs begonnen. Seit 2014 ist Herr Fuhlrott Ehrenmitglied und Vorstandsmitglied des Vereins Arche Nova Ruhla e.V.. Seit 2016 ist er ehrenamtlich Verantwortlicher für die Ortschronik Ruhla. 

Herr Detlef Fuhlrott erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für sein langjähriges Engagement als Kulturschaffender im Wartburgkreis. Vorgeschlagen durch Herrn Reinhard Krebs, Landrat des Wartburgkreises

Norbert Klose
Herr Klose wurde 2008 vom Kreistag als Kreisheimatpfleger im Saale-Holzland-Kreis berufen. Dies ist das Ergebnis seiner vorher schon 15jährigen intensiven Beschäftigung mit der Heimatpflege. In seiner Funktion als Kreisheimatpfleger unterstützt er den Landkreis, die Städte und Gemeinden sowie alle beteiligten Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Heimatpflege und Historie. Er beteiligt sich an der Erfassung, Erforschung, Beobachtung, Erhaltung, Sicherung und Pflege von Gegenständen und Werten der Heimatpflege. Seine Aufgabenfelder umfassen die Denkmal- und Brauchtumspflege, die Geschichtsforschung, den Natur- und Umweltschutz sowie die regionale Entwicklung. Durch seine aktive und vielschichtige Teilnahme an Veranstaltungen der Heimatpflege in ganz Thüringen und darüber hinaus, knüpfte er intensive Kontakte und Verbindungen zu Personen und Institutionen. Ebenso unterstützte er verschiedene Heimatpflegevereine in der Region bei ihrer Gründung und inhaltlichen Arbeit. Er vernetzt, motiviert, regt an, bildet weiter und berät. Herr Klose ist der Initiator des Kreisheimattages der Region Saale-Holzland sowie der Fachvortragsreihe für Ortschronisten und Ortsheimatpfleger im Saale-Holzland-Kreis in enger Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule des Saale-Holzland-Kreises e.V.. Dank seiner stetigen Bemühungen und seines Engagements konnte im August 2002 der erste Kreisheimattag in Graitschen stattfinden. Seitdem wird dieser jährlich an jedem vierten Dienstag im August an verschiedenen Orten im Landkreis durchgeführt und ist mittlerweile zu einer Institution in der Region geworden. Herr Klose ist mit seinem Wissen und Organisationstalent besonders für die inhaltliche Arbeit zuständig. Er gewinnt kompetente Referenten, stellt Verbindung zu Thüringer Ministerien her und findet Sponsoren für die Ausgestaltung. Herr Klose genießt aufgrund seiner Fachkompetenz unter den Ortschronisten und Heimatpflegern der Region großes Ansehen. Stets stellt er aktuelle Themen und wichtige Fragen der Heimatgeschichte in den Mittelpunkt des Heimattages. Darüber hinaus kann dieser Personenkreis auch an den jährlich sechs Veranstaltungen der Fachvortragsreihe teilnehmen. Diese werden von ihm und der Kreisvolkshochschule seit mehr als 10 Jahren angeboten und rege genutzt.

Herr Norbert Klose erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für sein langjähriges Engagement für den Saale-Holzland-Kreis. Vorgeschlagen von Herrn Toni Sauer, Landrat des Saale-Holzland-Kreises

Chris Albrecht
Der Handglockenchor Gotha ist seit vielen Jahren ein Aushängeschild der Stadt und der ganzen Region. Eine Schenkung aus den USA von vier Oktaven Handglocken an die damals thüringische Landeskirche führte 1987 zur Gründung unter dem Dach der Kirchengemeinde Augustin in Gotha. Um das Fortbestehen dieser besonderen Musik und ihrer Bedeutung für die Spieler zu sichern, wurde schließlich der Förderverein Handglockenchor Gotha e.V. gegründet. Jede Glocke, jeder Ton ist nur einmal vorhanden und macht jeden Spieler zu einem Solisten, der wiederum auf die anderen angewiesen ist. Ohne Chris Albrecht und seine Unterstützung auf finanzieller, organisatorischer, logistischer und ideeller Ebene käme die Arbeit des Handglockenchores in kürzester Zeit zum Erliegen. Im Vorstand hat er den Posten des Kassenwarts inne. Für die Mitgliedschaft des Vereins im Kreisjugendring Gotha e.V. sowie im Landesmusikrat Thüringen e.V. ist er Ansprechpartner und Koordinator. Beide Vereine sind wichtige Kooperationspartner. Stehen deren Kleinbusse nicht zur Verfügung, steht er mit seinem eigenen PKW als Fahrer bereit. Auch den Kontakt zu lokalen Sponsoren, Kulturvereinen, Stiftungen, zur Lokalpolitik und zur Stadtkirche Gotha pflegt er mit großem Zeitaufwand. Nicht nur einen Stand auf dem Gothaer Weihnachtsmarkt hat Herr Albrecht zu Werbemaßnahmen organisiert, auch die Idee für Trinkschokolade in Tassen im Glockendesign geht auf ihn zurück. Herr Albrecht betreut den von ihm erstellten Internetauftritt des Handglockenchores und versorgt die mediale Präsentation in Form von Bild- und Videomaterial. Diese nimmt er mit seiner privaten Technik auf oder stellt Ereignisse wie das Jubiläumskonzert 2017 als Livestream im Internet zur Verfügung. Sein technisches Wissen und Können nutzt Herr Albrecht auch, um sich mit der Pflege und Reparatur der Handglocken zu beschäftigen. Dank eigens angeschafftem Werkzeug und Zubehör kann er Reparaturen und Ausbesserungen schnell selbst erledigen. Dies ist im wöchentlichen Konzertbetrieb zwingend notwendig. Gerade die Jüngsten freuen sich über die Unterstützung erfahrener Spieler wie Herr Albrecht. Erfolgserlebnisse und Zusammenhalt stärken den Zusammenhalt im Verein. 

Herr Chris Albrecht erhält die Kulturnadel des Freistaates Thüringen für sein langjähriges Engagement im Förderverein Handglockenchor Gotha e.V. Vorgeschlagen von Herrn Christoph Kallinich, Vorsitzender des Fördervereins Handglockenchor Gotha e.V.

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