Die EU und Afrika - wichtige Partner

27.11.2019 · 17:00 - 19:30 Uhr · EIZ, Regierungsstr. 72, 99084 Erfurt

Die EU-Kommission will eine neue Afrika-Strategie entwickeln. Wie sollte diese ausgestaltet sein? Darüber diskutierten am 27. November 2019 Prof. Dr. Hans-Heinrich Bass, Hochschule Bremen und PD Dr. Daniel Ayuk Mbi Egbe, Universität Linz, Vorsitzender ANSOLE e.V. Jena mit einem engagierten Publikum im EIZ.

Afrika im Zentrum der Weltkugel

Europa ist von der Entwicklung in Afrika unmittelbar betroffen. Sich für Afrika zu engagieren ist daher nicht nur aus humanitären Gründen geboten. Die EU stellt im Zeitraum 2014-2020 insgesamt 31 Mrd. EUR an öffentlicher Entwicklungshilfe für Afrika bereit und ist damit wichtigster Partner im Bereich Entwicklungszusammenarbeit. Dies gilt auch für den Bereich Frieden und Sicherheit. Im Bereich Handel allerdings hat China die EU trotz EU-Nothilfe Treuhandfonds für Afrika und EU-Investitionsoffensive als wichtigsten Partner überholt und investiert intensiv in die afrikanische Infrastruktur. Auch Russland stärkt seine Präsenz auf dem Kontinent.

Die neue EU-Kommission will eine neue Afrika-Strategie und damit eine engere Partnerschaft mit Afrika entwickeln. Wie muss diese ausgestaltet sein angesichts der Herausforderungen Afrikas, das im Jahr 2050 mit dann ca. 2,5 Mrd. Einwohnern 25% der Weltbevölkerung darstellt? Wie kann die Diskrepanz zwischen Bevölkerungswachstum und geringem Wirtschaftswachstum verringert werden? Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um vor allem eine Befriedung der Konflikte, eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Demokratisierung zu erreichen, die der jungen Bevölkerung in Afrika eine Zukunftsperspektive bietet?

Für Dr. Egbe sollte vor allem in Bildung, insbesondere von Frauen, investiert werden und eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden. Deshalb verfolge er als Initiator und Koordinator des African Network on Solar Energy/ANSOLE mit dem Verein das Ziel der Förderung und internationalen Vernetzung afrikanischer Wissenschaftler*innen im Bereich erneuerbare Energien. Darüber hinaus plädierte er dafür, fairere Wirtschaftsbeziehungen mit den afrikanischen Staaten aufzubauen.

Prof. Bass unterstrich ebenso die Bedeutung der Bildung, die den regionalen Bedürfnissen in den afrikanischen Staaten entsprechen müsse. Afrikanische Unternehmen mit arbeitsintensiver Fertigung müssten als Zulieferer in globale Wertschöpfungsketten integriert werden. Die Landwirtschaft müsse entwickelt und die Nahrungsmittelverarbeitung auf dem Lande aufgebaut werden. Die afrikanischen Länder müssten insbesondere eine gute Regierungsführung gewährleisten, um stabile Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen. Deutschland und die Europäische Union seien gefordert, sich weit mehr zu engagieren als bislang, nicht nur bei der Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch im Bereich Handel und Investitionen mit dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung der afrikanischen Staaten. Die Betrachtung Afrikas nur als Absatzmarkt, als Beschaffungsmarkt oder als Investitionsstandort, wie z.B. von China, Russland reiche nicht aus und sei problematisch. 

Diesen Ausführungen folgte eine intensive und engagierte Diskussion mit und unter den Teilnehmer*innen und Experten. Von den afrikanischen Teilnehmer*innen wurde hervorgehoben, wie wichtig es sei, dass nicht Europäer über Afrika sprächen, sondern der Dialog zwischen Europäern und Afrikanern auf Augenhöhe geführt werde, wie bei dieser Veranstaltung. Das EIZ kündigte daraufhin an, diesen Dialog im nächsten Jahr im EIZ fortzuführen.

Als Experten standen zur Verfügung:

Prof. Dr. Hans-Heinrich Bass, Professor für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Internationale Wirtschaftsbeziehungen in Bremen (City University) und Direktor des Institute for Transport and Development, Gastprofessuren in Russland, China, Japan, Kanada und Nigeria. Er berät internationale Organisationen und Nicht-Regierungsorganisationen, u.a. UNIDO, Foodwatch, Deutsche Welthungerhilfe.

PD Dr. rer. nat. habil. Daniel Ayuk Mbi Egbe, habilitierter Chemiker am Institute for Organic Solar Cells der Johannes Kepler Universität Linz, Initiator und Koordinator des African network on Solar Energy/ANSOLE und Vorsitzender von ANSOLE e.V. mit Sitz in Jena.

 

Bild: ©AdobeStock_44334421

veröffentlicht von: Thüringer Staatskanzlei

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